Traut euch!

Prinzessin Diana hatte einen. Einen Wasserfall-Brautstrauß, von dem alle Bräute in den 80er Jahren träumten. „Die Zeiten sind zum Glück vorbei“, sagt Hochzeitsfloristin Christin Niethammer aus Kirchberg an der Murr. „Eine Blume einen halben Meter nach unten zu biegen, entspricht schließlich nicht gerade ihrer natürlichen Form.“ Doch genau die liegt aktuell bei Hochzeiten im Trend: Natürlichkeit. Ehemals trendige Blüten, wie Orchideen und Callas, treten eher in den Hintergrund und jahreszeitlich passender Blumenschmuck ist angesagt. Gerade im Sommer sind Pfingst- und Freilandrosen, Flieder und Hortensien – alles was voluminös und blumig ist – bei Brautpaaren beliebt. Mit Rosmarin, Olivenblättern oder Eukalyptus, eingearbeitet in die Brautsträuße, geht es bei Christin Niethammer „back to the roots“. Und damit auch zu den Wurzeln des Brautstraußes, der ursprünglich aus duftenden Kräutern und Gewürzen gebunden wurde, um böse Geister fernzuhalten und unangenehme Gerüche zu übertönen.

Farbenfroh
Der Brautstrauß gehört zur Grundausstattung. „Aber kann er nicht auch mal rund sein? Muss die Braut immer die Stiele in der Hand halten?“, hinterfragt Niethammer Traditionen. Und schlägt ihren Bräuten Alternativen wie zum Beispiel einen farbenfrohen Sommerstrauß oder weniger Blumen und dafür mehr Grün, auch Greenery Trend genannt, in der Tischdekoration vor.
Bonbonfarben wie ein sattes Türkis und knalliges Pink oder aber verwaschene Farben wie Karamell, Rosé, Apricot, einfach softe Töne, finden sich derzeit auch im Make-up der Bräute wieder. „Dazu kommen noch verspielte Dutts oder offene Haare mit Blumenkränzen“, sagt Hair- und Make-up-Artist Sabrina Flaig. Der Bohemian-Stil (Boho) eingebunden in einen glamourösen Rahmen wird auch im nächsten Jahr noch gefragt sein, ist sich die Abstatterin sicher. Nach einer Kosmetikerin sollten Bräute etwa neun Monate vor der Hochzeit Ausschau halten. Flaig empfiehlt, zum Beratungsgespräch ungeschminkt zu gehen. Dann kann die Expertin genau den Haut- und Farbtyp ausmachen und Tipps für die Pflege bis zur Hochzeit geben. Rund drei Stunden benötigt die Visagistin am Tag der Hochzeit alleine für die Braut. „Erst wenn sie fertig ist, kommen Brautmama und Trauzeugin dran“, sagt Flaig.

Nicht nur das sei ein Grund, die Trauung auf den Nachmittag zu verschieben, meint Fotografin Michaela Klose aus Beilstein. Kleine Kinder und ältere Gäste hätten dann noch Zeit für einen Mittags-snack oder -schlaf. „Und dem Brautpaar wird am Vormittag genügend Zeit für zum Beispiel das Brautpaar-Shooting gewährt“, erklärt Klose. Viele Paare möchten sich den Überraschungseffekt aber bewahren, und der Bräutigam sieht seine Braut im Hochzeitskleid erst vor dem Altar. „Sollen die Fotos der Frischvermählten während der Feier gemacht werden, ist es ratsam, die Gäste mit Aktionen wie einem Eiswagen oder dem Ausfüllen von Glückwunschkarten zu beschäftigen“, weiß Klose aus zehnjähriger Erfahrung. Die Fotografin plädiert stark dafür, den Gästen mit der Einladung einen Ablaufplan mitzuteilen. „Auch der freundliche Hinweis, sich in der Kirche auf die Zeremonie zu konzentrieren, statt selbst mit dem Handy Fotos zu knipsen, hilft dem Brautpaar und uns, den Fotografen.“

Starke Frauen
Die Fotos auf dieser Seite entstanden im Rahmen eines Projektes der Fotografin Michaela Klose. „Ich habe Mitstreiterinnen gesucht, die ihr Handwerk verstehen und Lust darauf hatten, zu zeigen, was bei Hochzeiten alles möglich ist“, so die 31 Jahre alte, zweifache Mutter aus Beilstein. Auf dem Highland-Cattle-Hof von Karin und Klaus Schütz in Gschwend durften die jungen Frauen sowohl – unter Aufsicht von Familie Schütz – mit den Tieren arbeiten, als auch die Ställe und Wiesen als Location nutzen. „Die Idee war, zu zeigen, welche Kraft und Energie in uns Frauen steckt“, so Klose. Floristin Niethammer, Visagistin Flaig und selbst Christiane Nogu, die sich spontan als Modell zur Verfügung stellte, haben unentgeltlich gearbeitet. Die Heilbronner Fotografin Nele Munz hielt zudem das Making-Off in Bildern fest. Die Ballons stellte Brigitte Marquardt von BallonArt in Heilbronn kostenlos zur Verfügung. 

Alle Trends in einer Collage

Die schönste Kuh im Stall: Beatheg, genannt Beath, wurde ins Shooting eingebunden und bekam ihren eigenen Blumenkranz ins Haar.

Ranunkeln: Die Frühjahrsblüher sind die absoluten Stars in bunten Sträußen.

Ganz leicht wird aus einem Stickrahmen ein nettes Dekoelement.

Erdtöne und natürliche Materialien wie Federn bieten sich im Herbst an.

Text von unserer Redakteurin Milva-Katharina Klöppel 
Fotos Michaela Klose