Wenn Papa hinter Gittern ist

Initiativen beraten Partner und Kinder


Ist der Ehemann inhaftiert, tragen Mütter in der Regel die Hauptlast in der Familie.
Foto: Kristina Tripkovic

Eine Haftstrafe trifft nicht nur die Verurteilten, sondern ist auch für die Angehörigen schwierig. Gerade für Kinder ist es Experten zufolge schwer, damit klarzukommen, wenn ein Elternteil lange Zeit nicht zu Hause ist. Wenn eine inhaftierte Frau ein Kind bekommt, steht in der Regel nach der Geburt ebenfalls eine Trennung an. In rheinland-pfälzischen Gefängnissen beispielsweise gibt es keine Mutter-Kind-Häuser. In Baden-Württemberg gibt es eine entsprechende Abteilung in der Justizvollzugsanstalt in Schwäbisch-Gmünd. Verschiedene Initiativen stehen Betroffenen zudem mit Rat und einem offenen Ohr zur Seite. „Bei uns kann man sagen, was man will, und das wird nicht weitergetragen“, sagt Hans-Peter Pesch von „Rückenwind“, einer Beratungsstelle in der Nähe von Trier.

Vor allem Frauen wenden sich an die Initiative, gerade in Familien gehe es immer wieder um die gleichen Probleme: „Die Mütter tragen die Hauptlast während der Inhaftierung ihres Ehemanns“, sagt Pesch. Häufig gebe es Geldsorgen. „Da fällt der Ernährer weg.“ Manche Frauen machten sich Sorgen, ob ihre Beziehung die Haftsituation aushalte. Und es gehe oft um den gemeinsamen Nachwuchs. „Die Erziehung der Kinder ist natürlich ein Riesenthema und das Gerede der anderen.“ Belastend sei für viele, dass man sich nicht einfach erkundigen könne, wie es dem Mann gehe, erzählt Pesch. „Der Kontakt ist immer noch nur vom Gefängniss nach außen möglich, anders herum nie.“ Zwar sei es möglich, Briefe zu schreiben. Aber es dauere lange, bis die ankämen. Die Staatsanwaltschaft lese beispielsweise während der Untersuchungshaft mit.

Auch Online eine Anlaufstelle 

Einige Anlaufstellen haben auch Angebote speziell für Kinder und Jugendliche, zum Beispiel der Verein „Treffpunkt“ in Nürnberg. Dort weiß Sozialpädagogin Beate Wölfel: „Die Kinder leiden sehr unter der Trennung.“ Schlimm sei unter Umständen auch die Tatsache, dass sie schweigen müssten, weil eine Haft ein Tabuthema sei. „Häufig dürfen Kinder das niemandem erzählen“, sagt Wölfel. „Das ist für sie eine große Belastung.“

Manchmal sagten Eltern ihrem Kind auch gar nicht, dass Papa oder Mama im Gefängnis ist. Stattdessen werde zum Beispiel erzählt, der Vater arbeite im Gefängnis. Kinder durchschauten das schnell und spielten oft trotzdem mit, erklärt die Fachfrau. Dann könnten sie nicht einmal mit der Mutter über die Situation sprechen. Wölfel rät zur Offenheit. Vor allem kleinen Kindern sei es in der Regel egal, warum ein Elternteil im Gefängnis sei. Für sie sei wichtig, dass Vater oder Mutter wieder heimkomme.

Damit Kinder mit ihren Fragen nicht alleine bleiben, bietet der Verein unter anderem eine Onlineberatung und begleitete Besuche im Gefängnis an. Vor allem jüngere Kinder hätten oft konkrete Fragen zum Alltag, erzählt Wölfel. Sie fragten, wie groß eine Zelle sei, wo ihre Fotos aufgehängt seien, was der Vater den ganzen Tag im Gefängnis mache und ob er dort Freunde habe. Ältere Kinder interessierten sich eher dafür, ob ihr Vater Freigang habe und wann er wieder nach Hause komme.

Die notwendige Erziehungskompetenz 

Wenn eine schwangere Frau ins Gefängnis muss, oder dort schon sitzt, entbindet sie in der Regel in einem örtlichen Krankenhaus, erklärt das Justizministerium in Rheinland-Pfalz. Nach der Geburt heißt es dann oft erst einmal Abschied nehmen. „In vielen Fällen werden die Kinder dann von Angehörigen aufgenommen und betreut.“ Nur in Einzelfällen könnten sie zusammen mit der Mutter in eine Mutter-Kind-Einrichtung eines anderen Bundeslandes kommen. Außerdem müsse die Mutter die „notwendige Erziehungskompetenz“ haben. Wo das Kind letztlich unterkommt, darüber entscheidet das Jugendamt.

Der Bedarf an Mutter-Kind-Häusern in den Justizvollzugsanstalten (JVA) sei erkannt, die Planungen liefen, heißt es im Ministerium. In den vergangenen Jahren hätten Inhaftierte aber nur zwei bis drei Babys pro Jahr zur Welt gebracht. Im letzten Jahr seien es jedoch zehn gewesen. Darauf werde reagiert: „Derzeit wird zusammen mit der JVA Zweibrücken als dem größten Standort für den Frauenvollzug ein Konzept für eine Mutter-Kind-Einrichtung entwickelt sowie der konkrete Raumbedarf hierfür ermittelt.“

Im Netz gibt es über die Beratungsstellen „Rückenwind“ und „Treffpunkt“ hinaus zahlreiche Hilfsangebote für Angehörige. Kinder und Jugendliche finden Unterstützung bei der Onlineberatung.

Von Ines Klose


Beratung

Auf www.juki-online.de gibt es die Möglichkeit, per Mail Kontakt mit Beratern aufzunehmen. Und zwar kostenlos. In dringenden Fällen berät auch die Telefonseelsorge: 0800 1110111.


Mitbringsel beim Besuch sind meist tabu

Kinder, die ihren Vater oder ihre Mutter im Gefängnis besuchen möchten, müssen mindestens 14 Jahre alt sein, in manchen Bundesländern auch 16. Andernfalls brauchen sie eine erwachsene Begleitung. Vor dem Besuch muss eine Genehmigung bei der entsprechenden JVA beantragt und ein Termin vereinbart werden. Außerdem braucht jeder Besucher einen gültigen Ausweis. Geschenke darf man in der Regel nicht mitbringen. Auf den Websites der Vollzugsanstalten gibt es genaue Hinweise dazu. Auf gar keinen Fall dürfen Besucher Handys oder MP3-Player dabei haben. Auch Lebensmittel von außen dürfen nicht mitgebracht werden. Unter www.besuch-im-gefaengnis.de gibt es weitere Infos für Kinder und Jugendliche. red