Tipps zur Erziehung

Zwischen Ausprobieren und Beschützen


Eltern sollten ihren Kindern kleine Anregungen im Alltag geben: Schon ein Gänseblümchen am Wegesrand kann den Forschergeist wecken.

Eltern sollten ihre Kinder begleiten, nicht bremsen, wenn die Kleinen das Leben entdecken. Familiensupervisorin Sabine König ist seit rund 20 Jahren mit Müttern und Vätern im Gespräch, berät in Beziehungs- und Erziehungsfragen. Im Heilbronner Haus der Familie bietet die Stuttgarterin eine Vortragsreihe für Eltern von Kindern im Alter zwischen einem und sechs Jahren unter dem Titel „Forschergeist in Kinderschuhen“ an. Was die Teilnehmer erwartet, verrät die Referentin im Interview.

Werden Kinder als Forscher geboren?

Sabine König: Das Komplettkonzept ist auf Selbstbildung ausgelegt. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich ein Kind aus sich selbst entwickelt. Dazu gehört das Explorieren. Kinder wollen das Leben erforschen, dabei ist alles wichtig, jedes Gänseblümchen am Wegesrand und jedes Erlebnis.

Wie können Eltern sie dabei unterstützen?

König: Indem sie beobachten, was das Kind möchte. Sie können kleine Anregungen im Alltag geben, das sind oft Winzigkeiten. Aber sie sollten das Kind nicht einschränken, sondern liebevoll begleiten und sichernde Grenzen setzen. Man muss eine Balance zwischen Probieren lassen und Schützen finden.

Haben Eltern, die in Ihre Sprechstunde kommen, Probleme damit?

König: Manche brauchen einfach Hilfe, weil sie in schwierigen Lebenskonstruktionen sind, weil die Bedürfnisse des Kindes sie überfordern oder weil sie das Kind nicht verstehen. Aber nicht alle Eltern brauchen Hilfe.

Welche Erziehungsfrage wird am häufigsten gestellt?

König: Bin ich eine gute Mutter oder ein guter Vater? Mache ich das richtig? Es gibt viele Selbstzweifel und die Angst, etwas falsch zu machen. Dabei gibt es nicht das Richtige oder das Falsche, es gibt unzählige Variationen. Eltern müssen ihr Kind begleiten, und jedes Kind ist anders.

Wie wichtig ist dabei der Austausch?

König: Der war schon immer wichtig und wird auch immer wichtig bleiben. Viele von uns haben die familiären Strukturen, die es früher gab, aufgelöst. Wir leben nicht mehr in Großfamilien, deshalb sind Eltern oft isoliert. Sie erleben viel Verwirrung, jeder will bei der Erziehung mitreden, und Ratende geben unterschiedliche Tipps.

Haben Sie eine Empfehlung, wie die Balance zwischen Fördern und Fordern gelingt?

König: Wenn wir es schaffen, dass die Interessen von Eltern und Kindern miteinander korrespondieren, haben wir die höchstmögliche Förderung. Wenn die Eltern wollen, dass das Kind Geige spielt, das Kind aber lieber Fußball spielen möchte, kann es nicht gelingen. Wenn sich das Kind nicht begeistern kann, lohnt sich die beste Förderung nicht. Man muss Kindern die Möglichkeit geben, Feuer zu fangen. Und dann sollte man Interesse und Zeit investieren, nicht nur Geld.

Sie kündigen an, in Ihren Veranstaltungen Lösungen finden zu wollen. Geht das?

König: Es gibt nicht die eine Lösung für alle, das sieht in jeder Familie anders aus. Aber bei den gemeinsamen Abenden versuchen wir, Ideen zu entwickeln. Wichtig ist, dass es den Eltern und dem Kind gut geht.

Was erwartet die Kursteilnehmer konkret?

König: Ich biete Abendtermine und Einzelgespräche an. An den Abenden wird es immer einen kurzen Input geben, anschließend gehen wir ins Gespräch. Ich arbeite im Dialog. Die Teilnehmer können erwarten, dass ihnen in der Gesprächsrunde zugehört wird, dass wir uns gemeinsam Gedanken machen. Und am Ende kann jeder ein paar Ideen mitnehmen, die handelbar sind.

Welche Eltern wollen Sie ansprechen?

König: Diejenigen, die sich selbst Fragen stellen und die sich für die Vielfalt des Themas interessieren.

Die Reihe richtet sich an Eltern von Ein- bis Sechsjährigen. Gibt es bei älteren Kindern keine Probleme mehr?

König: Doch, aber die sind anders. In der Runde ist es wichtig, dass alle Kinder in einem ähnlichen Alter sind. Dann gelingt der Austausch. In der Pubertät brauche ich andere Antworten, die Eltern haben andere Fragen.

Foto: privat
Sabine König hat eine Praxis für Säuglings- und Kleinkindfragen.

Von unserer Redakteurin Tanja Ochs


Zur Person

Seit rund 20 Jahren arbeitet Sabine König in ihrer Praxis für Säuglings- und Kleinkindfragen in Stuttgart mit Eltern. Die Sozialpädagogin und Systemische Familientherapeutin bietet Begleitung, Beratung und Supervision an. Die 59-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Im Haus der Familie bietet die Referentin folgende Kurse an: am 7. November „Verwöhnen? Erziehen?“, am 13. Februar „Das tägliche Spannungsfeld im Lebensalltag mit Kindern“, am 26. März „Kinder fördern ohne zu fordern“ am 13. Mai „Bewegung – Intelligenz – Sprache“. Anmeldung unter www.hdf-hn.de.

tox