Teenager mit einem Trick zum Lernen bringen

Kinder haben oft wenig Lust zum Lernen. Um sie zu motivieren sollten Eltern ihnen konkrete Vorteile vor Augen führen.

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ERZIEHUNG Kinder in der Pubertät sind nur schwer zum Lernen zu motivieren. Alles scheint ihnen wichtiger zu sein als die nächste Klassenarbeit. Doch man kann das jugendliche Gehirn austricksen, sagt Kira Liebmann. Die Münchnerin hält Vorträge und coacht als Pubertät-Überlebens-Trainerin ratlose Eltern. „Zuerst sollte man den Druck herausnehmen und sich bewusst machen, dass die üblichen Tipps in der Pubertät nicht funktionieren“, stellt sie klar. Bei Sprüchen wie „Du solltest regelmäßig lernen!“, „Setz dir Teilziele!“ oder „Mach dir Notizen!“ schalten Teenager-Ohren auf Durchzug.

Erwachsene motivieren sich in der Regel selbst mit Willenskraft und Einsicht zum Lernen. Schüler hingegen fragen immer zuerst: „Was habe ich davon, dass ich das lerne?“ Also sollte man ihnen konkrete Vorteile oder Ziele vor Augen führen. Im Sprachunterricht könnte das beispielsweise die Aussicht auf den nächsten Urlaub und die Verständigung mit Freunden sein.

Konzentration Um das Kind dazu zu bringen, sich selbst zu motivieren, helfe die fünf-Minuten-Regel. „Man vereinbart mit dem Kind, dass es sich wenigstens fünf Minuten mit dem Stoff beschäftigt – das allerdings mit höchster Konzentration.“ Danach dürfe es aufhören. Damit mache man sich den Trick zunutze, dass man nach fünf Minuten „in den Flow kommt“, erklärt Liebmann. In 80 Prozent aller Fälle werde das Kind die Sache zu Ende bringen und länger als fünf Minuten lernen.

Wichtig sei auch, den Lerntyp zu kennen. Nicht alle Menschen lernen, indem sie vom Blatt ablesen. „Meine Tochter braucht Bilder und Geschichten dazu. Andere laufen im Zimmer auf und ab und sagen sich das Erlernte laut vor“, erklärt die Erziehungstrainerin. Am besten frage man das Kind direkt: „Wie hast du dir das gemerkt?“

Wenn der Schüler erst spät am Abend mit dem Lernen loslegt, rät Liebmann, nicht zu meckern: „Eltern sollten wissen, dass ihr Kind eine andere innere Uhr hat.“ Der Biorhythmus sei in der Pubertät um zwei Stunden nach hinten verschoben. „20 Uhr Teenagerzeit ist 18 Uhr Erwachsenenzeit“, sagt die Expertin. Das hänge mit der Zirbeldrüse zusammen, die das Schlafhormon Melatonin produziert.

Verschiebung Diese Verschiebung reguliere sich erst so etwa mit 18 Jahren. „Man sagt auch, man ist dann erwachsen, wenn man freiwillig früher ins Bett geht“, meint die zweifache Mutter. Zudem hemme Displaylicht von Computer, Tablet oder Handy die Melatonin-Produktion und sorge dafür, dass Teenager später müde werden.

Von Claudia Wittke-Gaida, dpa