Spagat zwischen Job und Familie

Weniger Stress durch feste Routinen


Alle helfen im Haushalt mit: Nathalie Klüver und ihre Kinder nutzen die gemeinsame Zeit. 
Foto: privat

Die Bloggerin Nathalie Klüver kennt den Spagat zwischen Job und Familie nur allzu gut. Im Interview verrät die dreifache Mutter, wie man auch mit wenig Zeit sich und die Kinder glücklich macht,

Frau Klüver, wann beginnt für Sie der Feierabend?

Nathalie Klüver: Nach der Arbeit, wenn ich die Kinder abhole.

Für viele Berufstätige ist das die zweite Schicht: Kinder abholen, einkaufen, Hausaufgaben kontrollieren, Essen vorbereiten, aufräumen, Kinder ins Bett bringen. Wie kann sich das nach Feierabend anfühlen?

Klüver: Das Geheimnis liegt darin, alles Unnötige rauszuschmeißen: den Nachmittag entrümpeln und sich Zeit fürs Wesentliche nehmen.

Was ist der erste Schritt?

Klüver: Jeden einzelnen Wochentag auf den Prüfstand stellen: Was sind die Momente, die mich besonders stressen, die die Kinder besonders nerven? Dann stößt man schnell auf bestimmte Muster. In der Regel sind alle genervt, wenn man unter Zeitdruck steht, dann kommt es zu Stress und Streit. Da hilft es, alle überflüssigen Termine rauszuschmeißen und Zeitpuffer einzubauen.

Was haben Sie entrümpelt?

Klüver: Als mein Großer sein Seepferdchen gemacht hatte und zweimal die Woche zum Kurs musste und dazu auch noch Musikunterricht hatte, wurde die Musik gestrichen. Als er das Seepferdchen dann hatte und der Kurs wegfiel, waren wir alle so entspannt, dass wir es dabei belassen haben. Es gibt genug Studien, die sagen, dass das freie Spiel eigentlich das Wichtigste und Beste fürs Kind ist, um sich aufs Leben und die Schule vorzubereiten.

Wollen die Kinder nicht in der kurzen Zeit, die sie mit den Eltern haben, auch mit ihnen spielen?

Klüver: Natürlich. Und das sollten wir auch. Aber doch nicht vier Stunden am Stück. Eltern müssen nicht Daueranimateure der Kinder sein. Je älter sie werden, desto länger spielen sie auch allein. Das können sie übrigens nur lernen, wenn wir ihnen die Gelegenheit dazu geben und sie nicht ständig mit neuen Angeboten überfrachten. Aber wir sollten immer ansprechbar sein.

Wie kann man Stress herausnehmen?

Klüver: Indem wir das Handy ausmachen oder zumindest außer Sichtweite legen. Die Kinder sind entspannter, ich auch. Das Handy ist eine Konkurrenz zu den Kindern – sie merken das. Außerdem: Was vermitteln wir den Kindern, wenn wir ständig aufs Handy starren? Dass das Handy wichtiger ist als die Kinder. Das ist doch traurig.

Sie sitzen also bei Ihren Kindern, aber der Wäscheberg wächst, das Abendbrot muss vorbereitet werden, der Mülleimer quillt über.

Klüver: Da müssen die Kinder mithelfen. Gemeinsam macht es eh mehr Spaß!

Zum Beispiel?

Wenn sich im Obergeschoss die leeren Tassen stapeln, dann können die größeren Brüder sie mit nach unten nehmen. Jeder räumt die Sachen wieder dahin zurück, wo er sie hergenommen hat.

Und das klappt?

Klüver: Mal mehr, mal weniger. Das ist tagesformabhängig. Ihre Zimmer dürfen die Kinder so lassen, wie sie wollen. Aber wenn sie auf dem Esszimmertisch gespielt haben, müssen sie die Sachen vor dem Abendessen wegräumen. Klappt nicht immer, aber wir arbeiten dran. Sie decken den Tisch, den Geschirrspüler räumen wir zusammen aus. Beim Wäscheaufhängen können sie helfen, beim Kochen auch. Man muss eben seine Ansprüche runterschrauben. Mein mittlerer Sohn schält zum Beispiel mit Hingabe Möhren. Da bleibt dann nicht viel von der Möhre über, aber er hilft mit und hat Spaß dabei. Auch das ist Qualitytime.

Gibt es feste Rituale?

Klüver: Wenn ich alle Kinder abgeholt haben, gibt es eine Viertelstunde Pause, in der ich Kaffee trinke und die Kinder Kakao, meist zu Hause oder auch mal in der Stadt. Es muss nicht lang sein, aber wir sitzen alle zusammen und fahren runter, bevor es an Hausaufgaben, ans Spielen oder an den Haushalt geht. Routinen sind als Sicherheitsnetz wichtig: Wenn man einen stressigen Tag hatte und improvisieren musste, dann kann man sich zu Hause in die Routinen fallen lassen, wo das Gehirn mal nicht rotieren muss. Es entspannt auch die Kinder, wenn sie wissen, was sie erwartet.

Thema Einkaufen – wie kann man das entstressen?

Klüver: Lieber vorher alleine einkaufen und die Kinder später abholen, wenn es geht. Sonst muss man da durch! Am besten verteilt man Aufgaben wie: „Suchst du mal die Haferflocken und packst du die Äpfel ein?“ Und: einen weiten Bogen ums Süßigkeitenregal machen.

Und ein Tipp fürs Einschlafen?

Klüver: Zeit und Ruhe einplanen! Man muss ja heute nicht mehr um 20.15 Uhr vorm Fernseher sitzen. Rituale helfen und ganz wichtig: die Kinder nach dem Abendbrot nicht mehr aufdrehen lassen, sondern nur noch etwas Ruhiges machen lassen.

Und danach ist für Sie Freizeit?

Klüver: Wenn ich nicht gerade mit den Kindern einschlafe, dann räume ich schon auch noch mal den Geschirrspüler aus, aber der Abend soll nicht dem Haushalt gehören.

Von Petra Haase


Nathalie Klüver

Nathalie Klüver ist Mutter von drei Kindern (2, 6 und 8 Jahre alt) und lebt in Lübeck. Auf ganznormalemama.com bloggt sie über den Alltag mit Kindern. Ihr Buch „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Kinder glücklich machst“ ist im Trias-Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro.

red