Qual der Wahl

Wie man dem Kind einen guten Namen gibt


Die meisten machen sich schon lange vor der Geburt Gedanken darüber, wie das Kind im Bauch heißen soll.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Lumpi, Lucifer und Satan: Manche Eltern wünschen sich tatsächlich, Kinder so nennen zu dürfen. Erlaubt ist das nicht. Doch warum eigentlich? Und wie findet man unter all den Namen den passenden?

Soll der Name traditionell und altdeutsch klingen – oder vielleicht doch lieber aus dem Ausland stammen? Soll er kurz und knackig sein – oder eine Kette von Folgenamen hinter sich herziehen? Lange bevor ihr Baby auf der Welt ist, wälzen viele Eltern Namensbücher oder erfinden einen Namen einfach selbst. Denn bei der Namenswahl ist vieles erlaubt – allerdings nicht alles.

Spott vermeiden

„In erster Linie geht es darum, dass ein Vorname das Wohl des Kindes nicht gefährdet“, erläutert Julia Cissé, Standesbeamtin in Berlin. Das Wohl sei dann gefährdet, wenn spätestens in der Schule der Spott anderer Kinder sicher sei oder der Name das gesamte Leben belasten könne. So ist es beispielsweise schwierig, einem Kind den Namen Paulchen zu geben. „Diese Verniedlichung mag vielleicht noch zu einem Kleinkind passen, aber ein erwachsener Mann könnte damit erhebliche Probleme bekommen“, erklärt Gabriele Rodríguez, Fachberaterin für Vornamen und Gutachterin bei der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig.

Auch wenn es vielleicht nicht gerade Paulchen ist: Verniedlichungen wie Henri, Leni oder Lisi stehen bei jungen Eltern derzeit hoch im Kurs. Ebenso einsilbige Namen wie Ben, Finn und Tim. Auch zeitlose, traditionelle Namen sind laut Rodríguez wieder im Kommen: „Es findet eine Rückbesinnung auf die eigene Familie und traditionelle Werte statt. Deshalb entscheiden sich viele Eltern gerne für die Namen der eigenen Großeltern oder auch der Taufpaten.“

Frei erfunden

Gleichzeitig gebe es aber auch einen gegenläufigen Trend: Viele Eltern finden trotz der Riesenauswahl nicht den perfekten Namen – und erfinden kurzerhand selbst einen. So entstand laut Rodriguez aus den Elternvornamen Kerstin und Ron schon einmal ein Keron. Und aus den Großelternvornamen Franz und Mohammed der Neu-Vorname Framo.

„Solche Neubildungen sind grundsätzlich erlaubt“, sagt Standesbeamtin Julia Cissé. Sinnvoll sei es jedoch, Namen wie diese vorab mit der Namensberatungsstelle zu besprechen. Gabriele Rodriguez’ Tipp an die Eltern: einen Zweitnamen vergeben. „Ist der Erstname zu ausgefallen, haben Kinder später die Chance, ihren Zweitnamen zum Rufnamen zu ernennen.“

Geheim halten

Grundsätzlich sollten sich Eltern bei der Namenssuche nicht zu viel vom Umfeld beeinflussen lassen. „Wer ein Kind erwartet, sieht sich schnell damit konfrontiert, dass jeder im Umfeld ungefragt Namensvorschläge macht. Das kann nerven und verunsichern, sagt Gerald Drews, Autor eines Buchs über Vornamen. Werdende Eltern sollten dann früh klarstellen, dass ausschließlich sie selbst für die Namenswahl zuständig sind. Drews’ Tipp: früh mit der Suche anfangen und den Namen erst nach der Geburt bekanntgeben.

Um die Entscheidung für einen Namen nicht zu bereuen, rät Gerald Drews dazu, im Vorfeld folgende vier Kriterien zu beachten:

  • Familientradition: Ist es üblich, dass Kinder die Namen der Eltern, Großeltern oder Taufpaten erhalten? Wer diese Tradition gerne weiterführen möchte, hat es mit der Namenssuche natürlich leichter.
  • Klang: Es hilft, dem Klang des Lieblingsnamens mal bewusst zu lauschen. Beliebte Mädchen-Vornamen enden oft auf „a“. Favorisierte Vornamen beginnen – bei beiden Geschlechtern – aktuell mit weichen Konsonanten wie L, M oder N.
  • Begründung: Warum genau dieser Name? Viele werdende Eltern entscheiden sich gerne für Namen von Prominenten. Solche Namen wecken häufig bestimmte Erwartungen. Vielleicht möchte Greta später gar nicht Umweltaktivistin werden? Und Joaquin kein Joker?
  • Nachname: Drews empfiehlt folgende Faustregel: kurzer Nachname, längerer Vorname. Zum Beispiel Maximilian Scholz anstatt Max Scholz. Bei langen Nachnamen verhält es sich umgekehrt. Wortspiele wie Hans Schanz sollte man vermeiden. Alliterationen wie Steffi Strähmel oder Max Maier sind dagegen reine Geschmackssache.

Buchtipp

Gerald Drews: Das große Humboldt Vornamenbuch.

288 Seiten, 14,99 Euro,

Humboldt-Verlag.

Von Sandra Arens, dpa