Nicht ohne meine Mannschaft


In Bewegung bleiben


Damit es auf dem Feld funktioniert, müssen sich die Spielerinnen gut kennen. Trainerin Moni Weipert stärkt den Gruppengedanken durch Kleinigkeiten. Fotos: Ralf Seidel

Bei anderen Mannschaften gibt es Konkurrenzkämpfe. Bei uns nicht. Wir halten immer zusammen“, sagt Selma Delibajric. Die 14-jährige Handballerin spielt in der C1-Jugend der SG Heuchelberg. Bevor Corona das sportliche Leben lahmlegte, wurde zweimal in der Woche trainiert. Einmal in Leingarten, einmal in Nordheim. Am Wochenende standen Spiele an. Bei einer der letzten Trainingsstunden war die Heilbronner Stimme mit dabei:

Was sofort auffällt: Es wird viel gelacht, der Teamgeist stimmt, die Spielerinnen kommen mehr als gut miteinander aus. Warum das in dieser Mannschaft so ist? „Das frage ich mich auch manchmal“, sagt Selma. Und ergänzt: „Die Freundschaft hält uns zusammen.“

Selbstverständlich ist so viel Teamgeist nicht, wie Trainerin Moni Weipert weiß. Aber nach 20 Jahren als Trainerin weiß sie auch, wie man diesen fördert: „Es ist wichtig, auch außerhalb des Spielfelds etwas als Gruppe zu machen.“ So ging es im vergangenen Sommer ins Schwimmbad oder zum Joggen in den Wald. Außerdem war das Team zum Jumping im Fitnessstudio.

Bevor gespielt wird, stehen Aufwärmen und Training auf dem Programm. Nicht drillmäßig sein, Spaß vermitteln, aber trotzdem klare Ansagen machen, wenig diskutieren, das ist der Trainerin wichtig. Als Aufwärmübung laufen die Mädchen locker durcheinander. Auf ein Signal hin gehen diejenigen mit dem gleichen Geburtsmonat oder der gleichen Schuhgröße zusammen. „Da muss man sich kennen.“

Für den eigenen Bus

„Es gibt aber auch eine starke Eigendynamik aus der Gruppe heraus“, sagt die 52-Jährige. Ein Beispiel? „Da wir Landesliga spielen, stehen manchmal längere Fahrten an. Zu einem Spiel in Fridingen an der Donau wollten die Mädels unbedingt gemeinsam mit einem Bus hinfahren“, erzählt die Trainerin. Mit Fahrer kostet so ein Bus für einen Tag aber 600 Euro. Also hat die Mannschaft an zwei Samstagen im Rewe in Leingarten Waffeln gebacken und verkauft.

Dass sich die Mannschaft so gut versteht, zeigt sich laut Weipert auch in der Trainingsbeteiligung. „Die ist unglaublich hoch.“ Bei so viel Motivation und Teamgedanken spiele es dann auch keine Rolle, wer seit seinem fünften Lebensjahr Handball spielt und wer erst vor zwei Jahren damit angefangen hat. Auch das Alter sei egal.

Bestätigen kann das Merle Sanwald. Gerade 13 Jahre alt geworden, spielt sie seit dieser Saison inmitten der Jahrgänge 2005/ 2006. „Ich merke den Unterschied kaum. Es macht total viel Spaß.“ Schwierig habe sie es als Küken der Mannschaft nicht: „Man gewinnt viel Selbstvertrauen. Alle bauen sich gegenseitig auf. Wir sagen uns, dass wir gut sind und dass es nicht schlimm ist, wenn mal eine den Ball verwirft.“

Apropos werfen: „Wenn man verliert, dann ist man als Torwart oft der Depp“, sagt Emily Banaj. „Hier ist das aber nicht so. Ich bekomme nie die Schuld.“ Das Schlimmste, was passieren kann: „Ich bekomme den Ball voll ab“, sagt sie mit noch leicht geröteten Augen vom Wurf auf die Nase. „Aber dann schüttelt man sich kurz und macht einfach weiter. Handball ist kein Spiel für Weicheier“, betont die 14-Jährige. „Aber die Mannschaft auf der Platte hat auch viel einzustecken.“ So lange der Spaß im Team garantiert sei, gehe sie aber gerne zusätzlich ins Torwarttraining und rapple sich nach jeder Verletzung wieder auf.

Auch privat verbringen die Handballerinnen gerne Zeit miteinander: „Wir treffen uns oft spontan bei einer zu Hause“, sagt Mia Rieker. Die 14-Jährige spielt seit zweieinhalb Jahren. Um genug Zeit für Training und Team zu haben, verzichtet sie auch mal auf andere Aktivitäten oder lernt am Abend. Seit Corona sind persönliche Treffen zu Hause und viel Zeit mit dem Team aber nur noch eine schöne Erinnerung.

Offenes Ohr

Unterstützt wird Trainerin Weipert von den Co-Trainerinnen Nathalie Betz und Elena Kübler. „Natürlich können die Mädchen zu mir kommen, wenn sie etwas bedrückt. Aber die beiden sind mit 19 und 20 Jahren an manchen Themen näher dran.“ Kommunikation ist für Weipert das A und O: „Es ist von Vorteil, die privaten Verhältnisse zu kennen, zu wissen, warum jemand schlecht drauf ist.“ Vom Thema Pubertät bemerkt sie „erstaunlich wenig.“ Als Grund nennt sie den Sport: „Die Jugendlichen sind ausgeglichener, selbstbewusster, haben Endorphine und Glücksgefühle.“

 

Von unserem Redaktionsmitglied Michelle Christin List


Corona verzögert Jugendwechsel

Beim Jugendwechsel geht es für die meisten Spielerinnen aus der C-Jugend in die B-Jugend. Der sollte Mitte März anstehen. Wegen Corona verzögert er sich. „Wir wissen noch nicht, wann wir wieder trainieren können“, sagt Spielerin Mia Rieker während der Quarantäne. Mit ihrem Team war sie trotzdem in Kontakt – wenn auch meistens virtuell. „Wir gehen auch mal zu zweit mit Abstand joggen. Ansonsten telefonieren wir viel und spielen zum Beispiel über Skype Monopoly.“ Um fit zu bleiben, gibt es von der neuen Trainerin Barbara Bresca einen Trainingsplan. Ein Ersatz für den Austausch und das gemeinsame Auspowern sei all das für die Spielerinnen aber nicht.

mcl