Neues Familienprojekt der AWO

Spielend in ein Leben voller Chancen
Die AWO in Heilbronn startet das Lernprogramm Opstapje – Hausbesucher unterstützen Familien mit Kleinkindern.

Bücher, Puzzle, ein König als Steckpyramide: Die Hausbesucher bringen zu jeder Sitzung neues Spielzeug mit, das die Familien danach behalten dürfen. Katharina Glaser koordiniert das Projekt.

Sich sinnvoll mit dem Kind zu beschäftigen, das sei für fast jede Familie eine Herausforderung, sagt Severin Blasmann. Deshalb hat die Bereichsleiterin der AWO-Jugendhilfe zusammen mit Koordinatorin Katharina Glaser ein neues Projekt in Heilbronn gestartet: Opstapje kommt aus den Niederlanden und bedeutet so viel wie „Schritt für Schritt“. Die Idee dahinter ist einfach.

Mithilfe der Impuls-Stiftung, die das Projekt in Deutschland fördert, lernen künftige Hausbesucher in einem zweitägigen Seminar entwicklungspsychologische Grundlagen kennen. Außerdem bekommen sie eine Kiste voller Spielzeug und Kärtchen mit auf den Weg. Damit ausgestattet, gehen die Hausbesucher einmal in der Woche für 45 Minuten zu den teilnehmenden Familien. Ihre Mission: Spielen.

Was zunächst simpel klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Zum einen zeigt die Hausbesucherin (bisher haben sich nur Frauen bei der AWO beworben) Wege auf, wie die Eltern ihren Nachwuchs gezielt fördern können. Zum anderen werden Mutter und Vater dabei unterstützt, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Blasmann ist überzeugt: „Die Familie ist die wichtigste Bildungsinstanz.“

Meilensteine Schritt für Schritt helfen die Hausbesucher den Eltern deshalb, das Kleinkind durch das Medium Spiel zu bilden und dadurch einen chancenreichen Weg in die Zukunft zu ermöglichen. Die Kinder können ab einem Alter von sechs Monaten bis zu ihrem dritten Lebensjahr mitmachen. Wie das Programm erfolgreich sein soll?

Konkret orientiert sich Opstapje an sogenannten Meilensteinen, die der Schweizer Entwicklungsforscher Remo Largo etabliert hat, erklärt Katharina Glaser. Mit Meilensteinen hat Largo gemessen, wann 50 Prozent der Kinder durchschnittlich eine Fähigkeit erlernt haben. Mit jedem Spielzeug, das die Hausbesucher mitbringen, soll das Kind diese Fähigkeiten besser lernen.

Zum Beispiel mit dem bunten Steckkönig. Das Kärtchen, das zum Spielzeug gehört, verrät, welcher Meilenstein dahintersteckt: Wenn das Kind die bunten runden Steine zum Königsbauch zusammenbaut, lernt es beispielsweise Größen und Farben zu unterscheiden. Gleichzeitig übt es, räumlich zu denken und die Hände gezielt einzusetzen.

Hilfe bei Zweifeln Kärtchen und Spielzeug dürfen die Familien behalten, wenn die Besucherin das Haus verlässt. Wenn sie in der darauffolgenden Woche wiederkehrt, fragt sie, wie es der Familie ergangen ist. Bei Zweifeln und Ängsten steht sie den Eltern zur Seite. Außerdem gibt sie Tipps zur jeweiligen Entwicklungsphase des Kindes. Ist sich die Hausbesucherin einmal unsicher, unterstützt Koordinatorin Katharina Glaser. Sie kann die Familie bei Bedarf auch selbst besuchen.

„Der wichtigste Aspekt ist, dass man den Eltern zeigt, dass es unglaublich viel Spaß macht, sich gemeinsam zu entwickeln“, betont Helena Sander, die Blasmann und Glaser dabei unterstützt hat, das Projekt nach Heilbronn zu holen. Dass die Hausbesucher zunächst Laien sind, die dann geschult werden, ist bewusst gewollt. Denn es gehe darum, dass sie die Sprache der Eltern sprechen und diesen auf Augenhöhe begegnen. „Eine Mutter spricht zur anderen Mutter“, erklärt Glaser. Natürlich seien auch Väter willkommen. Einzige Bedingung sei, dass die Hausbesucher Erfahrung im Umgang mit Kindern haben – am besten durch eigene.

Blasmanns Zukunftsvision ist es, Hausbesucher mit ganz unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen auszubilden. So könne man je nach Familie auswählen. Außerdem sollten Eltern und Hausbesucher in derselben Nachbarschaft wohnen, in diesem Fall in Heilbronn-Böckingen. Denn Vernetzung ist ein wichtiger Aspekt. Alle zwei Wochen treffen sich die teilnehmenden Familien und Hausbesucher und tauschen sich zu Themen wie Ernährung oder Zahnhygiene aus.

Mehr Informationen
www.awo-heilbronn.org

Von unserem Redaktionsmitglied Christine Faget

Foto: Mario Berger