Mit Freude in den Kindergarten

Eine Umstellung für die ganze Familie: Wenn Mütter zurück in den Job gehen, brauchen sie in der Regel einen Kindergartenplatz

 

Für Eltern und Kinder ist es ein großer Schritt: Die ersten Tage im Kindergarten. Neue Umgebung, neue Freunde und die Trennung von Mama und Papa machen manchen Kindern mehr zu schaffen als anderen. Deshalb ist die Eingewöhnungszeit so wichtig. Und sie dauert bei jedem kleinen Menschen unterschiedlich lange. „Jedes Kind ist anders“, sagt Carmen Albrecht. Seit 25 Jahren leitet die 49- Jährige das Familienzentrum in Ittlingen. Die Einrichtung orientiert sich am Berliner Eingewöhnungsmodell und reagiert trotzdem ganz individuell auf die Bedürfnisse von Kind und Eltern. Denn auch die müssen „ein gutes Gefühl haben“, weiß die Erzieherin. Nur dann könne sie loslassen. „Sie geben uns das Wertvollste, das sie haben“, ist sich Carmen Albrecht bewusst. Im Vordergrund stehe, dass die Kinder gerne in den Kindergarten gehen. Neuaufnahmen gibt es inzwischen das ganze Jahr über, nicht nur zum Start des neuen Schuljahres. Die Mädchen und Jungen kommen heute oft schon mit einem Jahr und sind deshalb bei der Eingewöhnung jünger als noch vor einigen Jahren. In Ittlingen gab es die erste Kleinkindgruppe schon 2005, zum Start von 9 bis 12 Uhr. Das hat sich längst geändert, Ganztagsbetreuung mit Mittagessen gibt es nicht nur in Ittlingen, sie ist inzwischen in vielen Einrichtungen zum Standardprogramm geworden. Noch immer gibt es jene Gruppen mit Mittagspause, aber die meisten Kinder werden durchgehend betreut.

 

Hilfe

Das geht aber nicht von Anfang an, besonders die Jüngsten brauchen oft ein bisschen länger, betont Carmen Albrecht. Stundenweise gewöhnen sich die Kleinen am besten ein. „Es muss für das Kind in Ordnung sein“, betont Carmen Albrecht. Hilfreich dabei sei, wenn auch die Eltern zuversichtlich sind und dem Kind vermitteln, dass alles gut ist. Haben Mamas ein schlechtes Gewissen, übertrage sich das schnell auf die Kleinen, sagt die Kindergartenleiterin. Nur ein bis zwei Kinder werden in Ittlingen pro Monat in einer der insgesamt acht Gruppen aufgenommen. Dort gibt es feste Bezugspersonen für die Kinder. Später beim Übergang von Krippe in Kindergarten sind die Übergänge fließend, dann übernehmen die Erzieherinnen der Unter-Dreijährigen die Eingewöhnung bei den Großen. Aber ganz am Anfang geht es nicht ohne Eltern: Bevor es losgeht, gibt es immer ein Gespräch, das schon im Gruppenraum stattfindet. Während die künftigen Kindergartenkinder dann schon mal die Spielsachen in Augenschein nehmen können, sprechen Eltern und Erzieherin über Gewohnheiten und andere wichtige Dinge. Wann schläft das Kind? Welches Kuscheltier braucht es dazu? Welche individuellen Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden? All das ist wichtig, damit am Ende alles klappt.

 

Partnerschaft

„Es ist eine Erziehungspartnerschaft“, sagt die Leiterin. Nur gemeinsam kann es gelingen. Deshalb kommt ein Elternteil, manchmal ist es auch ein Großelternteil, in den ersten Tagen mit, setzt sich mit in den Gruppenraum. Da sein und sich trotzdem zurücknehmen, hilft dem Nachwuchs bei der Eingewöhnung. Nach etwa drei Tagen geht die Bezugsperson dann mal aus dem Zimmer – manche früher, andere später. So wird die Trennungszeit schrittweise vergrößert. Am Ende der sogenannten Stabilisierungsphase sind die Eltern nicht mehr in der Einrichtung, aber immer noch in greifbarer Nähe. „Die Eingewöhnung ist dann beendet, wenn das Kind sich schnell von dem Erzieher trösten lässt und grundsätzlich in guter Stimmung spielt“, heißt es im Leitfaden des Ittlinger Familienzentrums. Bis es so weit ist, dauert es in der Regel vier bis sechs Wochen. „Aber da lassen wir uns nicht festnageln“, sagt Carmen Albrecht. Gerade bei den ganz kleinen Anfängern dauert es manchmal länger. Wer zurück in den Job muss, sollte also ausreichend Zeit einplanen, um seinem Kind die Zeit zu lassen, die es braucht.

 

Zahlen

Im Jahr 2018 haben in Baden-Württemberg 433384 Kinder eine Tageseinrichtung besucht. Fast 80000 davon waren unter drei Jahre alt. Die meisten Jungen und Mädchen waren zwischen drei und sechs Jahre alt: Rund 283000 Kinder waren im vergangenen Jahr im Kindergarten. Insgesamt nutzten mehr als 200000 Kinder eine Mittagsverpflegung. Innerhalb von zehn Jahren hat sich diese Zahl laut Statistischem Landesamt damit fast verdoppelt. Das ist für Kommunen eine Herausforderung, die die steigenden Personalkosten stemmen müssen.tox