Kindern faires Spielen ermöglichen

Auf der Online-Spiele-Plattform Roblox gelten strenge Vorgaben – Kinder sind nett zueinander


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Wo Menschen sich online treffen, geht es oft unfreundlich zu: Politiker beschimpfen sich auf Twitter, Facebook-Filterblasen prallen aufeinander, in Onlinevideospielen wird getötet oder beleidigt. Doch der anhaltende, schleichende Erfolg der Spieleplattform Roblox zeigt, dass es auch anders geht. Dort spielen Kinder und begegnen einander. Die jüngeren spielen meist nur, die älteren entwickeln auch selbst Titel.

Dass jugendliche Entwickler mit ihren Roblox-Werken reich werden, ist eher ungewöhnlich. Aber dafür sammeln sie Erfahrungen auf dem Weg zum Game-Designer oder Softwareentwickler. „Wir haben Millionen Entwickler“, sagt Laura Higgins von der Roblox-Corporation. Sie ist Direktorin für digitale Höflichkeit im Unternehmen und erklärt, warum sich die Spieler auf ihrer Plattform nicht die Köpfe einschlagen.

Der Textfilter macht den Umgangston

Die Roblox-Seite sieht ein bisschen aus wie Youtube, nur dass nicht Videos wie im Regal aufgereiht sind, sondern Spiele. Deren Qualität ist immer eine Überraschung. Viele sind eher klein und einfach, mit einer Klötzchengrafik irgendwo zwischen Lego und Minecraft. Der Umgang auf der Plattform wirkt unaufgeregt. Spieler treffen sich meist wortlos in den Spielen. Wenn sie etwas in den Chat schreiben, dann sind es oft nette, banale Dinge. Gelegentlich macht jemand einen Witz. Oft ergibt sich das gemeinsame Spiel ganz zufällig.

Die größte Stärke von Roblox verortet Laura Higgins im Publikum. „Unsere Spieler sind noch Kinder. Und Kinder sind nett“, sagt sie. Sie erlebt die Community als lernbereit, einsichtig und durchaus offen für Kritik bei Regelverstößen. „Es geht uns weniger darum, Nutzer zu bestrafen, als ihr Verhalten zu ändern.“ Kinder sollen lernen, dass es schöner ist, wenn alle Spaß haben. Bestimmte Probleme kann Roblox wegen des Alters seiner Nutzer härter angehen. Hier wird nicht geflucht, weil es strenge Textfilter gibt. Kinder, die es trotzdem versuchen, „bekommen eine Nachricht, dass sie das Wort hier nicht benutzen können“, so Higgins. Kommuniziert wird nur über Text, Audio und Video unterstützt die Plattform nicht. Das mag altbacken sein, aber es bringt Sicherheit.

Mit der eigenen Währung

Weniger kinderfreundlich ist das Verdienstmodell von Roblox – das sogenannte Free-to-Play-Prinzip. Das heißt: Das Spiel ist gratis, aber bestimmte Inhalte und Extras müssen mit der Fantasiewährung Robux bezahlt werden. Robux gibt es nicht gratis, sondern sie werden in Paketen von fünf bis 100 Euro verkauft. Manche Spiele verlangen Robux als Eintritt, viele andere werben damit, dass man in ihnen etwas kaufen kann. Higgins verweist auf Handreichungen für Eltern, von Infomaterial bis zu Kontrollmöglichkeiten.

Erziehungsberechtigte können ihren Kindern Grenzen setzen, besonders strenge gelten für Kinder unter 13 Jahren. Eltern können nicht nur unterbinden, dass Geld ausgegeben wird, sie finden auf dem Portal auch eine Liste kinderfreundlicher Titel. Dass Kinder irgendwann um Robux betteln, wird das Unternehmen damit allerdings nicht verhindern. Trotzdem sei die Roblox-Community vergleichsweise sicher und respektvoll. Neben technischen Hilfsmitteln und klaren Regeln ist dafür das Personal verantwortlich. Mit dem Publikum wächst auch die Zahl der angestellten Moderatoren, 800 sind es inzwischen bei ungefähr 90 Millionen aktiver Nutzern pro Monat.

Die Kontrolle behalten

Die Moderatoren haben viel zu tun, Millionen Meldungen gehen jeden Monat bei ihnen ein. Sie sitzen in mehr als 40 Ländern weltweit und sind rund um die Uhr ansprechbar. Vor Ort können auch kulturelle Probleme besser gelöst werden. Lokale Sicherheitspartner werden gezielt in die Beratungen eingebunden. In Deutschland arbeitet die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) mit Roblox zusammen.

Natürlich kann auch eine streng kontrollierte Plattform nicht verhindern, dass Kinder negative Erfahrungen machen. Wenn es Nutzern gelingt, Kinder in andere Chatplattformen ohne Filter zu locken, dann hat Roblox keine Kontrolle mehr. Und natürlich testen auch die Kinder selbst Grenzen. Hier seien die Eltern gefordert, sagt die Direktorin. Es gebe für Kinder keine beaufsichtigungsfreie, komplett sichere Online-Beschäftigung. Eltern sollten mit den Kindern im Gespräch bleiben, sie ermutigen und sich mit Vorwürfen zurückhalten. Wenn man etwas bei den Moderatoren melden wolle, solle man das gemeinsam tun. Damit hole man sich die Kontrolle über die Situation zurück.

Von Jan Bojaryn