Gut geschützt durch Impfungen

Impfungen bieten wirksamen Schutz gegen viele Kinderkrankheiten. 


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Masern, Scharlach, Windpocken: Typische Kinderkrankheiten sind nicht so harmlos wie ihr Name klingt. Auch viele Erwachsene stecken sich an. Wenn erste Symptome auftreten, informieren sich viele Eltern erstmal im Netz. Das sieht der Kinderarzt Professor Michael Weiß vom Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln positiv. Bilder und genaue Beschreibungen helfen, den Krankheitsverdacht einzugrenzen. Den Arztbesuch würde die Online-Recherche aber nicht ersetzen, vor allem um Kinderkrankheiten von harmlosen Infektionen zu unterschieden.

Mehr Impfbedürftige

Mittlerweile zählt das Robert-Koch-Institut (RKI) wieder mehr Teenager, Erwachsene und gar Senioren, die wegen Windpocken, Masern oder Keuchhusten behandelt werden müssen. Die Gründe für die steigende Zahl von Betroffenen sind vielfältig: Manchmal steckt dahinter einfach Nachlässigkeit, die Professor Philippe Stock vom Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg als Impfmüdigkeit bezeichnet. Deshalb verlaufen die Infektionskrankheiten in dieser Patientengruppe stärker als bei Kindern, oft mit zusätzlichen Komplikationen. Erwachsene können die Infektion weitertragen und ungeimpfte Säuglinge sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährden. Eine Impfpflicht, wie sie das Bundeskabinett im Juli 2019 gegen Masern beschlossen hat, gilt dennoch als umstritten.

Kinderarzt Weiß setzt beim Impfen grundsätzlich auf stärkere Aufklärung und Erinnerung statt Bußgelder und Ausschluss. Ebenso rät er unbedingt von sogenannten Masern- und Windpockenpartys ab, bei denen gesunde Kinder mit Kinderkrankheiten angesteckt werden. „Bei der unkontrollierten Masernvirus-Verbreitung weiß man dann gar nicht, wer wen ansteckt“, sagt der Kölner Arzt. „Es wird quasi ein Giftstoff freigesetzt und verbreitet.“

Sei das Kind erkrankt, könne das für einige Eltern stressig werden, sagt Stock. Schnell muss geklärt werden, welche Familienmitglieder ausreichend geimpft sind. Sonst könne nach ärztlicher Absprache eine sogenannte postexpositionelle Prophylaxe (PEP) verhindern, dass die Infektion ausbricht. Im Krankheitsfall ist strenge Hygiene wichtig, inniges Kuscheln ist tabu. Kinderkrankheiten können rund zwei, manchmal bis zu drei Wochen andauern, für berufstätige Eltern kann das eine Belastung werden. „Das Thema Arbeitgeber ist ganz zentrales“, sagt Stock. Häufig würden Kinder ein paar Tage zu früh wieder in Schule oder Kita geschickt, als es eigentlich wünschenswert wäre.

Der Impfstatus steht im Impfpass 

Nachhaltig geschützt sind Kinder, aber auch Eltern, Geschwister, Großeltern und Betreuer durch Impfungen. Wer seinen Impfstatus nicht kennt, kann sich beim Arzt beraten lassen: „Jede Impfung zählt, aber man kann nicht überimpfen“, so Kinderarzt Weiß. „Im schlimmsten Fall wirkt die Impfung dann nicht mehr, weil der Impfschutz schon da ist.“

Von Sylvia Lundschien, dpa