Großeltern und Enkel leiden unter Corona

Hans und Wera Link müssen auf das Treffen mit ihren Enkeln verzichten.


Omas und Opas haben oft ein besonders inniges Verhältnis zu ihren Enkelkindern und fühlen sich durch sie geliebt und gebraucht. Jetzt müssen Treffen aber vermieden werden. Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com

Großeltern und Enkel haben oft ein besonderes Verhältnis. Innig, liebevoll, gleichzeitig locker. Doch die Corona-Krise gebietet, Abstand von Treffen mit den geliebten Enkelkindern zu nehmen, weil ältere Menschen zur am stärksten durch das Virus gefährdeten Gruppe gehören.

Das fällt vielen Omas und Opas schwer. Ihre Söhne und Töchter müssen oft Überzeugungsarbeit leisten. Zum Beispiel in der Familie Butz. „Wir wären jetzt nicht so extrem ängstlich. Aber so, wie sich das entwickelt hat in den letzten Wochen, ist das offensichtlich die richtige Strategie“, sagt Martin Butz.

Der 73-Jährige und seine Frau Marlis leben in Flein, nur 200 Meter von zwei ihrer vier Enkel weg. Lena (10) und Lennart (8) „kommen normalerweise einmal pro Woche zum Essen“. Und auch Vincent (8) und Tilda (6) aus Heilbronn besuchen Oma und Opa regelmäßig. Doch sein Sohn, erzählt Martin Butz, hätte das kritisch gesehen: „Er wollte den Kontakt abbrechen, um uns zu schützen.“ Weil die Schwiegertochter zudem als Lehrerin mit vielen Kindern in Kontakt gekommen sei, treffen sie sich schon seit zwei Wochen nicht mehr.

Geburtstage und Familienfeiern müssen ausfallen

Die Familienfeier zum 72. Geburtstag von Marlis Butz heute muss ausfallen: „Das tut jetzt schon ein bisschen weh. Die Enkelkinder waren Bestandteil unseres täglichen Lebens. Das haben wir sehr genossen“, bedauert Butz, tröstet sich aber mit dem Wissen: „Gott-sei-Dank sind alle gesund.“

Ähnlich geht es seiner Schwägerin Karin Butz (76) und ihrem Mann Hans-Peter (80) in Obersulm-Weiler: „Wir sind jetzt nur noch zu Hause. Der Sohn hat uns den Umgang mit den Enkeln streng verboten.“ Die drei Enkel im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren leben in Öhringen, der Kontakt war sowieso nicht regelmäßig. Doch zur Feier der Schwägerin heute oder dem eigenen Geburtstag im April wären alle gekommen. „Aber wir gehören zur Risikogruppe“, sieht auch Karin Butz die Notwendigkeit ein, Zusammenkünfte einzustellen.

Die Situation erfordert diesen Abstand

Ganz so radikal halten es Hans und Wera Link, 76 und 75 Jahre alt, nicht. Drei ihrer vier Enkelkinder leben wie sie in Leingarten. „Wir sehen uns auf Abstand“, beschreibt Hans Link den Kompromiss. So legten sie etwa das Brot, das sie von einem speziellen Bäcker für die ganze Familie mitbringen, jetzt auf der Terrasse der Tochter ab anstatt es hineinzutragen. „Das ist furchtbar“, findet Wera Link: „Ich bin ein kommunikativer Mensch und mag das gar nicht, wenn man Leute nicht mehr begrüßen und in den Arm nehmen darf.“

„Die Situation ist deprimierend“, sieht Hans Link die Gesamtlage. Ein wenig fürchtet er sich schon vor Ansteckung, „gerade weil wir Risikogruppe sind“. Das Angebot seiner Kinder, Lebensmittel für sie zu besorgen, wollen die Links nach anfänglicher Ablehnung jetzt annehmen „weil die Abstände im Handel nicht eingehalten werden“.

Ihre Enkeltochter Amelie findet die Situation bedrückend: „Ich habe schon ein bisschen Angst, dass ich es habe und nicht merke, aber auf meine Großeltern übertrage“, sagt die 16-Jährige.

Nicht überall ist es aber möglich, den Kontakt zu vermeiden. Sei es, weil die Familien im selben Haus wohnen, sei es, weil man auf die Unterstützung der Großeltern angewiesen ist. So sind etwa die Kinder von Monique Stark aus Abstatt, acht und vier Jahre alt, immer samstags bei ihrer Oma (60) in Nordheim, während sie und ihr Mann arbeiten müssen. Die Familie hat beschlossen, weitgehend unter sich zu bleiben und sonst nicht unter Menschen zu gehen.

Und bei Pascal Abraham in Oberstenfeld wohnt die Großmutter (67) mit im selben Haus. „Wir essen jeden Abend zusammen und unterbinden den Kontakt nicht“, sagt Abraham: „Meine Mutter zählt sich selbst nicht zur Risikogruppe.“

Von unserer Redakteurin Susanne Schwarzbürger


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