Genuss mit allen Sinnen für Kinder


Auf dem Speiseplan der Zweitklässler in der Grundschule in Bad Friedrichshall-Hagenbach stehen an diesem Tag Rosmarinkartoffeln mit fruchtigem Ketchup, dazu Gurkenscheiben. Gesund – alles sehr lecker und vor allem selbstgemacht. Denn die Koch-AG steht gemeinsam am Herd. Sabine Anderle-Kohler ist Genussbotschafterin der Sarah-Wiener-Stiftung, die sich deutschlandweit mit dem Programm „Ich kann kochen!“ für gesunde Ernährung einsetzt. Seit einem Jahr bietet die Duttenbergerin das Angebot im Rahmen der Ganztagsschule in Hagenbach an, in der Hoffnung, dass die Kinder die Gewissheit mit nach Hause nehmen: Gesund schmeckt!

Ein paar Tricks der Genussbotschafterin können auch zu Hause beim Kampf ums Gemüse hilfreich sein. Was gesund ist, kann man Kinder zwar oft sagen. Viel wichtiger ist, dass sie selbst erleben, wie lecker es ist. „Das kriegt man nicht über den Kopf mit, sondern nur über alle fünf Sinne“, sagt die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft. Jeweils acht Kinder treffen sich einmal pro Woche mit ihr, um zu kochen und zu essen. Auch das Geschirrspülen gehört dazu. Nebenbei üben die Kinder Lesen am Rezept und erfahren zum Beispiel, welchen Weg eine Erdbeere zurücklegen muss. Deshalb gibt es im Winter Apfelbrei, im Sommer Erdbeeren aus der Region.

Mit Neugier und Probieren

„Das bleibt hängen“, hofft die Verantwortliche. „Ich kann kochen!“ soll nachhaltig wirken und vor allem Spaß machen. Egal was auf dem Speiseplan steht, „probiert wird immer“, sagt Sabine Anderle-Kohler. „Man muss ja ausprobieren, ob es einem schmeckt“, weiß Clara. Sie hat auf diese Weise entdeckt, dass Brötchen mit Rosmarin ein Genuss sind. Auch die Kürbissuppe oder der Couscoussalat kamen bei den Kindern gut an, erinnert sich die Betreuerin. In der Gemeinschaft schmeckt es ohnehin besser als zu Hause. Dort wird das eine oder andere Gericht aber auch nachgekocht, die Rezepte kann jeder mitnehmen. Emily hat beispielsweise den Apfelcrumble nachgekocht: „Als Nachtisch zu Weihnachten.“

Los geht es allerdings mit etwas ganz anderem: Hände waschen, Haare zusammenbinden. Dann werden die Messer auf ihrem Platz geparkt. Der ist nämlich extra als „Messerparkplatz“ ausgezeichnet. „Damit man weiß, wo es hingehört“, erklärt Nils. Sein Freund Luca fängt unterdessen schon mal an, die Zwiebeln zu schneiden. Dabei sind Tunnel- und Krallengriff gefragt. „Die Wiederholung ist wichtig“, erklärt Sabine Anderle-Kohler. Nur so werden die Schüler sicher im Umgang mit den Küchenutensilien. Jeder packt mit an. Während fleißig geschnippelt wird, überlegen die Zweitklässler, wonach frische Minze riecht, und wo Rosmarin eigentlich wächst. „Es geht darum, Lebensmittel zu begreifen“, erklärt Sabine Anderle-Kohler. Ihr macht das gemeinsame Kochen sichtlich Spaß: „Mein Ziel sind gesunde, glückliche Kinder“, sagt die 54-Jährige. Sie wünscht sich, dass die Schüler sich später mal, wenn sie Hunger haben, selbst etwas kochen.

Backen In der Koch-AG kommen die Kartoffelstücke zunächst in eine Marinade aus Öl, Paprika und Rosmarin. Kräftig umrühren und dann ab aufs Backblech. Während die Schnitze weich werden, wird schon mal aufgeräumt. Einige Schüler kümmern sich um den Ketchup. Zwiebeln, Äpfel, Honig, Zimt, Curry und Tomatenmark werden püriert. Das Ergebnis ist fruchtig-rot und viel besser als aus der Plastikflasche. Schnell noch Servietten falten und den Tisch decken, dann nehmen alle Platz. Gegessen wird gemeinsam. Mit dem Ergebnis ihrer Arbeit sind alle zufrieden. „Wir könnten auch ein Restaurant eröffnen“, schlägt Nils vor.

 


Emily deckt den Tisch für alle und faltet die Servietten.


Fachsimpeln am Küchentresen: Die Zweitklässler überlegen, warum die Kartoffel in Schnitze, die Zwiebel aber in Würfel geschnitten werden muss.


Den Tunnelgriff fürs Kartoffelnschneiden hat Dila raus.

Fotos: Tanja Ochs

Von unserer Redakteurin
Tanja Ochs