Friedliche Weihnachten mit der Familie

Es ist ja eigentlich das Fest der Liebe, aber leider herrscht gerade zu Weihnachten manchmal dicke Luft zu Hause. Das ist für die Erwachsenen nicht schön. Für Kinder ist es aber schlimm. Stellt sich die Frage: Wie geht man damit um, wenn es im Gebälk knirscht? Und wie viel Streit dürfen Kinder generell mitkriegen, ohne dass es ihnen schadet?

Mal geht es ums Geld, mal darum, wer mehr Freizeit hat oder das meiste im Haushalt macht: In jeder Familie gibt es Streit – auch und gerade in der eigentlich besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit. Schließlich herrscht vor den Feiertagen meist noch viel Stress. Doch wie trägt man Konflikte aus, wenn Kinder im Haus leben? Oder bekommen sie es noch gar nicht mit, wenn ihre Eltern sich in den Haaren liegen?
Mitnichten: Kinder sind sehr feinfühlig, was Mimik, Gestik und Stimmlage angeht. „Zu glauben, dass Kinder es nicht merken, wenn Eltern sich streiten, ist sicherlich nicht der Fall“, erklärt Psychotherapeutin Karin Kutz. Eltern sollten sich bemühen, vor kleinen Kindern bis zum Grundschulalter nicht zu streiten: „So junge Kinder können den verbalen Inhalt noch gar nicht aufnehmen. Sie sehen nur wütende Gesichter, vielleicht wird es sogar laut, und das ist für kleine Kinder extrem bedrohlich.“ Runterschlucken müssen Eltern ihre Wut aber nicht: Sie sollten das Gespräch zu anderer Zeit fortführen – wenn sie allein sind.

LERNEFFEKT
Streit lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen: konstruktiven und destruktiven. Bei konstruktivem Streit diskutieren verschiedene Parteien ein Problem und suchen gemeinsam eine Lösung. Bei destruktivem Streit versucht der eine, den anderen niederzumachen oder ihn zu unterdrücken: „Wenn es in Richtung Schimpfworte oder Beleidigungen geht, dann ist es ein Streit, aus dem nur Verlierer herausgehen“, erklärt Familien- Mediator Detlef Jahn. Beobachten Kinder konstruktiven Streit, können sie lernen, wie man mit Situationen umgeht, die einem nicht passen – zum Beispiel Unpünktlichkeit. Kommt ein Freund viel zu spät, kann ihm das Kind von seinem Ärger darüber erzählen. Grundsätzlich ist Streitkultur etwas, mit dem man nicht geboren wird. Es ist wichtig, dass Kinder sie in gesichertem Umfeld üben. Sie sollten außerdem ruhig mitbekommen, dass es verschiedene Ansichten geben kann: „Kinder lernen am meisten am Vorbild. Gut ist, wenn sie mitbekommen, wie man für die eigene Meinung eintritt“, sagt Elternberaterin Felicitas Richter. Ein weiterer Aspekt ist die Rolle des Kindes innerhalb des Streits. Das Kind darf weder das Gefühl haben, dass es Schuld daran sei, noch sollte es hineingezogen werden. „Eltern sollten ihrem Kind im Streit erklären: „Pass auf, es geht jetzt gerade nicht um dich, sondern wir streiten uns um die Unordnung im Ha us“, sagt Richter als Beispiel.

KIND RAUSHALTEN
Gefährlich wird es, wenn ein Elternteil versucht, das Kind auf seine Seite zu ziehen: „Dann gerät das Kind in einen Loyalitätskonflikt“, sagt Richter. Außerdem darf keiner Sohn oder Tochter als Druckmittel gegenüber dem Partner benutzen à la „Siehst du, weil du nie zu Hause bist, ist das Kind jetzt sitzengeblieben“. Das schade der psychischen Entwicklung. Wenn die Eltern merken, dass sie es alleine nicht schaffen, ihren Streit beizulegen, können Paarberater oder Mediatoren helfen. Denn auf lange Sicht gesehen, so Kutz, leiden Kinder unter Dauer-Streit der Eltern mehr als unter einer Trennung.

Von Eva Boller, dpa