Fit für die Einschulung

BILDUNG Bald ist es für viele Erstklässler so weit: Stillsitzen! Konzentrieren! Hausaufgaben! Die Grundschule ist vielleicht nicht der Ernst des Lebens – aber doch ganz anders als die Kita-Zeit. Um das gut zu meistern, müssen Kinder vor allem emotional stabil sein, sagen Experten. Wann der richtige Zeitpunkt für die Einschulung ist, zeigt sich bereits im letzten Kindergartenjahr.

Dann stehen in vielen Bundesländern die Schuleingangsuntersuchungen in den Kindergärten an. Für Kinder ist das aufregend, für manche Eltern nervenaufreibend. Denn je näher die Schule rückt, umso mehr Fragen stellen sich: Ist mein Kind reif für die Schule, ist es fit genug? Was muss es schon können? Die eine Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Denn welcher Weg der richtige ist, hängt vom einzelnen Kind und seinem Umfeld ab.

In Baden-Württemberg soll der Stichtag für die Einschulung zum Schuljahr 2020/21 vom 30. September auf den 30. Juni verlegt werden, um Kindern mehr Zeit zu geben. Auch in anderen Ländern wurde der Tag immer mal wieder verschoben – einfach deshalb, weil er nie so richtig passt. Das ist auch kein Wunder, sagt Gabriele Trost-Brinkhues vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): „Es gibt einfach keinen Stichtag, der allen Kindern gerecht wird.“ Dafür seien die Entwicklungsunterschiede zu groß. Die meisten Bundesländer berücksichtigen das bei der Anmeldung: Eltern können einen Antrag auf frühere Einschulung stellen. Oft gibt es auch die Möglichkeit, Kinder ein Jahr zurückstellen zu lassen.

Kein Test Ob ein Kind fit für die Schule ist, zeigt die Schuleingangsuntersuchung, auch wenn diese oft missverstanden wird. Ganz wichtig sei, dass diese kein Test und keine Prüfung ist, sagt Trost-Brinkhues. Zuständig ist nicht der reguläre Kinderarzt, sondern der sogenannte schulärztliche Dienst. „Die Schuleingangsuntersuchung ist erst einmal eine körperlich-medizinische Untersuchung. Da geht es zum Beispiel um Hör- und Sehfähigkeit, um chronische Krankheiten und vor allem um schulische Vorläuferfähigkeiten und einen eventuellen Förderbedarf.“ Der Schularzt berät die Eltern nur, er entscheidet nicht.

Die Entscheidung, ob und wann ihr Kind in die Schule kommt, liegt bei den Eltern. Die sollten dabei ruhig auf ihr Bauchgefühl hören, rät Trost-Brinkhues. Klaus Seifried, vom Berufsverband Deutscher Psychologen erklärt, Gruppenfähigkeit und soziale Reife spielten eine zentrale Rolle. „Kann das Kind aushalten, mal nicht gelobt zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen? Kann es Konflikte oder Misserfolge aushalten? Kann es im Unterricht stillsitzen, sich konzentrieren und selbstständig arbeiten?“

Indizien Auch Fein- und Grobmotorik sind Indizien. „Manche Kinder haben Schwierigkeiten, etwas mit der Schere auszuschneiden oder etwas zu malen, wenn sie in die Schule kommen“, sagt Seifried. „Andere haben Probleme beim Gehen auf einer Linie, oder einen Ball zu fangen.“ Solche motorischen Fähigkeiten seien aber eine wichtige Grundlage. Hat das Kind in diesem Bereich Probleme, kann eine Zurückstellung sinnvoll sein, genau wie sich bei anderen ein Frühstart lohnen kann.

Tobias Hanraths und Claudia Wittke-Gaida, dpa