Ferien alleine - Urlaub ohne den Partner

Foto: chenzo/unsplash

Beziehung Sommer, Urlaub, eitel Sonnenschein? Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn Paare zusammen verreisen: In einer Onlinestudie der Partnervermittlungsagentur Elitepartner gaben immerhin 27 Prozent der knapp 5300 Befragten mit Beziehungserfahrungen an, dass sie im Urlaub mit dem Partner schon mal einen größeren Streit erlebt haben. Bei neun Prozent kam es noch in den Ferien oder kurz danach sogar zur Trennung. Weil das Konfliktpotenzial hoch ist, wenn Paare rund um die Uhr zusammen sind, raten Therapeuten, durchaus auch mal alleine zu verreisen.

Kommunikation Mangelnde Kommunikation ist offenbar die Ursache für viele Auseinandersetzungen im Feriendomizil: „Oft fehlen ganz einfach klärende Gespräche vor dem Urlaub“, meint Olaf Schwantes. Der Beziehungscoach und Paartherapeut aus Hannover ist überzeugt: Wenn der innere Rhythmus eines Menschen nicht zu dem des Partners passt, kommt es automatisch zu Konflikten. „Dann wird zum Beispiel darüber gestritten, was und wie viel unternommen wird oder wer sich morgens um die Kinder kümmert, während der andere ausschlafen kann“, sagt Schwantes. Tatsächlich zählen Schlaf- und Aufstehzeiten zu den häufigsten Gründen für Zoff im Urlaub. Nur über Handynutzung und unterschiedliche Vorstellungen zum Urlaubsprogramm wird noch häufiger gestritten. Das zumindest hat eine Umfrage des Onlinereiseportals www.urlaubspiraten.de unter rund 5400 liierten Teilnehmern ergeben.

Es gibt aber auch unabhängig von möglichen Streitereien im Urlaub gute Gründe, trotz fester Beziehung getrennt zu verreisen: „Manche Menschen haben bestimmte Träume für ihr Leben. Die dürfen sie sich erfüllen – auch wenn der Partner sie nicht teilt“, sagt Schwantes. Sofern es sich dabei um ein Reisethema handelt, hält der Paartherapeut es durchaus für sinnvoll, ohne den Partner zu fahren: „Keiner sollte wegen der Beziehung auf seinen Traum verzichten, aber genauso wenig sollte sich der andere zu etwas zwingen, das er nicht wirklich will.“

„Keiner sollte wegen der Beziehung auf seinen Traum verzichten.“ Olaf Schwantes

Ähnliches rät Schwantes, wenn die Urlaubsinteressen grundsätzlich auseinandergehen. Dem stimmt auch Marc Auggenthaler vom Reisevermittler Urlaubspiraten zu: „Es gibt Paare, bei denen der eine gern Outdoor-Urlaub macht, der andere aber lieber im All-inclusive-Hotel entspannen und nachts durch die Clubs ziehen würde.“ Zudem, so der Reiseexperte weiter, hätten manche Paare unterschiedliche Urlaubszeiten im Beruf und könnten deshalb nicht zusammen verreisen. „Und dann gibt es auch noch klassische Männer- und Frauenurlaube, bei denen die Clique gemeinsam unterwegs ist.“

Ergebnisse Olaf Schwantes schätzt, dass ein Viertel bis ein Drittel all jener, die in einer festen Beziehung leben, auch allein verreisen. Das deckt sich mit den Ergebnissen der Elitepartner-Studie: Dort gaben 24 Prozent der Befragten an, auch ohne ihren Anhang zu verreisen. Dabei lag der Anteil unter den Akademikern mit 31 Prozent deutlich höher als bei den Nichtakademikern, von denen nur 20 Prozent im Urlaub auf den Partner verzichten mögen.

Grundsätzlich verreisen die meisten Menschen jedoch offenbar am liebsten mit ihrem Partner. Vier von fünf gaben dies jedenfalls bei der Umfrage des Reiseportals Urlaubspiraten an. Elf Prozent verreisen mit der Familie. Sieben Prozent der Befragten in Beziehungen verreisen lieber mit Freunden, nur etwas mehr als einer von hundert ist am liebsten ganz allein unterwegs. Das kann sinnvoll sein, allerdings komme es auf die jeweilige Beziehung an, meint Olaf Schwantes. „Menschen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Distanz. Eine komplett symbiotische Beziehung wünscht sich meiner Erfahrung nach keiner.“


Nicht jeder sucht im Urlaub das Abenteuer.

Foto: Jeremy Bishop/unsplash

Vertrauen Gegenseitiges Vertrauen spiele eine große Rolle, sagt der Beziehungscoach. Wenn ein Partner allein verreisen wolle, in der Vergangenheit aber womöglich eine Affäre hatte, könne es dem anderen sehr schwerfallen, den Urlaub zu akzeptieren. Auch die Sorge, der Partner könnte zusammen mit der Clique über die Stränge schlagen, kennen viele Daheimgebliebene. Zwar hat Marc Auggenthaler anhand der Nutzeranfragen und Kommentare bei www.urlaubspiraten.de beobachtet, dass allein reisende Partner im Allgemeinen seltener nach Ausgeh-Möglichkeiten fragen und von vornherein seltener zu Partyhochburgen reisen als Singles.

Olaf Schwantes gibt zu bedenken, dass, wenn das Vertrauen einmal angeknackst sei, getrennte Reisen die Beziehung belasten könnten. Wichtig sei dann, offen über diese Ängste zu sprechen. Denkbar seien etwa die Vereinbarung fester Zeiten, zu denen man kommuniziert. Aber auch hier gelte es, eine Lösung zu finden, die für beide passt. „Wichtig ist, dass für beide Seiten Klarheit herrscht.“

Juliane Moghimi