Eltern wollen bei Einschulung mitreden

Wann müssen Kinder eingeschult werden und wer hat das letzte Wort? Eltern in Baden-Württemberg wollen die geltende Stichtagsregelung kippen und künftig selbst entscheiden oder zumindest mitreden, ob ihre Kinder mit knapp sechs Jahren schon schulreif sind oder noch ein Jahr länger im Kindergarten bleiben sollen.

Bisher wird eingeschult, wer bis zum 30. September sechs Jahre alt wird. Katrin Göltenboth findet das zu früh. Die dreifache Mutter aus Bretzfeld-Geddelsbach hat zusammen mit Nicole Stolzenberger und Julia Marschand eine Online-Petition gestartet, um den Stichtag auf den 30. Juni zu verlegen. In Bayern und Niedersachsen waren ähnliche Initiativen bereits erfolgreich. Für die Stichtagsänderung in Baden-Württemberg haben inzwischen fast 19?000 Menschen unterzeichnet, mehr als 17?000 davon stammen aus dem Land. 21?000 Stimmen aus Baden-Württemberg sind notwendig, damit das Thema im Landtag eingereicht wird. „Die Stimmen kriegen wir auf jeden Fall“, ist Göltenboth sicher.

Sie möchte selbst entscheiden, wann ihr Kind in die Schule kommt. Eine mögliche Früheinschulung soll es laut Petition weiterhin geben, allerdings sollen Rückstellungen einfacher werden.

Unterschiede Bislang sind manche Kinder zu Schulbeginn erst fünf Jahre alt und müssen zusammen mit knapp Siebenjährigen die Schulbank drücken. Eine Zurückstellung der Kinder ist zwar möglich, Eltern kritisieren aber, dass dies landesweit sehr unterschiedlich gehandhabt und teils nach nicht nachvollziehbaren Gründen entschieden werde. „Wir fordern, den Stichtag auf den 30. Juni vorzuverlegen, wie es in den meisten anderen Bundesländern schon der Fall ist und in Bayern jetzt gerade erreicht wurde“, sagt Julia Marschand aus Rutesheim bei Stuttgart.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) äußert zwar Verständnis für die Sorgen der Eltern, hält sie aber für unbegründet. „Dass sich Eltern Gedanken machen, ist gut und wichtig“, so Eisenmann. „Aber unsere Erfahrungen zeigen, dass verantwortungsbewusst mit dem Thema umgegangen wird.“ Die Entscheidung falle gemeinsam mit Schule, pädagogischen Fachkräften und Eltern, zudem gebe es bereits eine hohe Flexibilität.

Praxis Genau das aber erleben die Eltern in der Praxis oftmals nicht. „Mir wurde ohne Begutachtung meines Kindes und ohne weitere Begründung gesagt, dass erst im Mai entschieden werden kann“, sagt etwa Ulrike Spatzier aus Ravensburg, die zum Kreis der 15-köpfigen Elterninitiative hinter der Petition zählt. Sie würde ihr Kind gerne zurückstellen. „Wir können nichts planen“, sagt sie, andere Eltern hätten schon längst eine Antwort. Möglicherweise, vermuten die Initiatorinnen, spiele bei der Entscheidung nicht nur die Schulreife des Kindes eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Klassenteiler oder Kindergartenplätze.

Aus Sicht der Bildungsgewerkschaft VBE würden etliche Kinder deutlich zu früh eingeschult. Das Kultusministerium will die Petition aufmerksam verfolgen. Eine Änderung des Stichtags stehe allerdings derzeit nicht auf der Agenda.

„Dass sich Eltern
Gedanken machen, ist gut und wichtig.“

Susanne Eisenmann

Von Ulrike Bäuerlein und Tanja Ochs