Eltern ohne Trauschein

Unverheiratete Paare sollten schon vor der Geburt rechtliche Fragen regeln



Ohne Trauschein haben Eltern keine rechtlichen Nachteile gegenüber Verheirateten. Allerdings müssen Unverheiratete mehr Formalitäten erledigen.
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Die Rechte unverheirateter Eltern wandeln 

Etwa jedes dritte Neugeborene Deutschland hat unverheiratete Eltern. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die gute Nachricht: Väter und Mütter ohne Trauschein werden gegenüber Eheleuten nicht mehr so unterschiedlich behandelt wie noch vor einigen Jahrzehnten. Die Rechte wurde immer mehr angepasst, sagt die Berliner Familienrechtlerin Eva Becker.

Wer erhält die Sorgeerklärung?

Trotzdem müssen unverheiratete Paare einige Formalitäten erledigen – idealerweise schon vor der Geburt des Kindes. Dabei geht es um die Anerkennung der Vaterschaft beim Standesamt und die gemeinsame Sorgeerklärung beim Jugendamt. „Sobald man das erledigt hat, unterscheiden sich unverheiratete Eltern – mit Blick auf das Kind – nicht mehr von verheirateten“, sagt Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht beim Deutschen Anwaltverein.

Wenn ein Kind auf die Welt kommt und die Eltern nicht verheiratet sind, ist der Vater nicht automatisch ein rechtlicher Elternteil. Das wird er eben erst durch die Anerkennung. Väter werden damit unterhaltspflichtig und ihr Nachwuchs erbt fortan von ihnen. Die Anerkennung der Vaterschaft ist außerdem die Voraussetzung für eine gemeinsame Sorgeerklärung. Danach erst haben beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht und damit mehr Rechtssicherheit. Aus dem Grund sollte man sie im Idealfall auch vor der Geburt abgeben, erklärt die Rechtsanwältin an einem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, das Kind kommt nicht gesund zur Welt. Dann müssen etwa Entscheidungen über die gesundheitliche Versorgung getroffen werden. Als nicht sorgeberechtigter Vater wäre man hier raus.“

Ein weiterer Effekt: Mit der gemeinsamen Sorgeerklärung kann der Nachwuchs nicht mehr nur den Nachnamen der Mutter tragen, sondern auch den des Vaters. Die Eltern haben die freie Wahl. Diese Entscheidung gilt dann aber auch für den Familiennamen von möglichen weiteren gemeinsamen Kindern. Wer erst nach der Geburt die gemeinsame Sorge festlegt, kann innerhalb von drei Monaten den Familiennamen des Kindes ändern.

Mit Blick auf die Krankenversicherung gilt: Sind beide unverheirateten Elternteile gesetzlich versichert, können sie das Kind familienversichern. Ist zum Beispiel die Mutter privat und der Vater gesetzlich krankenversichert, haben Eltern die Wahl: Sie können das Kind familien- oder privat versichern. Ein Wechsel von der einen zur anderen Variante sei aber auch danach möglich, erklärt der bundesweite Verband der Krankenkassen.

Elterngeld und Kinderfreibetrag 

Unverheiratete Väter müssen beachten, dass sie erst mit der Anerkennung ihrer Vaterschaft Elterngeld erhalten können. Diese muss aber noch nicht wirksam sein, heißt es im Elterngeldgesetz. Das gilt auch für eine bereits beantragte Vaterschaftsfeststellung, über sie muss noch nicht entschieden sein.

Werden bei unverheirateten Paaren Kinderfreibeträge anstelle des Kindergeldes gewährt, steht jedem Elternteil die Hälfte davon zu. Den Kinderfreibetrag müssen Eltern nach der Geburt in der Steuererklärung beim Finanzamt beantragen. Generell prüft die Behörde bei jeder Einkommenssteuererklärung, ob sich der Kinderfreibetrag für sie steuerlich mehr lohnt als Kindergeld. Ab einem gewissen Einkommen ist der Freibetrag vorteilhafter.

Von Tom Nebe, dpa