Elterliche Haltung zu Lasertag

Eltern sollten eine Haltung finden und bei der Diskussion um Lasertag offen bleiben


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Kein Spiel mit Schmerzen 

Früher schossen sich Kinder nur beim Völkerball gegenseitig ab. Inzwischen haben Farbwaffen den Ball abgelöst. Jugendliche ballern zum Beispiel mit Lichtwaffen auf den Gegner. Während Gerichte sich mit der Frage befassen, ab wann Lasertag gestattet sein sollte, fragen sich Eltern, ob sie es ihren Kindern überhaupt erlauben sollten. Vor allem jene, die den Trendsport für ein Kriegsspiel halten.

Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung kann die Bedenken verstehen. „Schließlich wird da mit waffenähnlichen Geräten gejagt. Obwohl der Ball früher viel mehr wehtat, hatte er eben keine waffenähnliche Struktur“, sagt der Pädagoge. Und dennoch kann er die Eltern beruhigen: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Lasertag-Spielen und aggressivem Verhalten – weder mit 13 noch mit 16.“ Vielmehr müssten Eltern zu diesem Thema eine Haltung finden. Und die fange laut Ritzer-Sachs schon viel früher in der Erziehung an, etwa wenn das Kind mit oder ohne Spielzeugpistole zu Kirmes, Karneval oder Fastnacht zieht. „Wenn Eltern entschieden haben, dass Waffen nicht in ihre Welt passen, sollten sie dabei bleiben.“

Entscheidung nicht voreilig treffen 

Ist die Familie noch unentschieden, sei Hinauszögern ein probates Mittel. Dann könnten Eltern erstmal sagen: „Ich halte dich dafür noch nicht reif genug.“ Wenn die Familie das Thema diskutiert, sollten Eltern offen bleiben und sich einen gewissen Spielraum lassen, um Argumente zu überdenken. Es gibt keine pauschale Empfehlung, sondern es kommt immer auf das Kind an.

Es hat sicher bessere Chancen, seine Eltern zu überzeugen, wenn es reif und stabil wirkt. Und wenn es zeigt, dass die Schule läuft, die Leistungen stimmen, der Freundeskreis okay und gefestigt ist. Ritzer-Sachs ist sich sicher: Wenn das Kind dann sagt: „Hey, das Spiel macht so einen Spaß, deshalb fange ich ja nicht gleich an, andere Leute auf der Straße abzuschießen“, falle es Eltern sicher schwerer, weiter „Nein“ zu sagen. Anders sei das bei einem Kind, das gerade in einer Krise und voll in seiner pubertären Phase steckt. Es sei auch bedenklich, wenn ein Teenager sich nur noch mit Ego-Shootern und Survival Games beschäftigt und dann Lasertag noch obendrauf kommt.

Erfahrungen austauschen 

Ein typisches Szenario sei, dass ein 13-Jähriger zum Geburtstag eingeladen wird, wo es geschlossen zum Lasertag gehen soll. „Da lohnt es sich, bei den Gastgeber-Eltern anzurufen und zu fragen: Welche Erfahrungen habt ihr? Seid ihr bei dem Spiel dabei?“, rät Ritzer-Sachs. Finden Eltern die Kulisse einer Lasertag-Anlage zu grausam und kriegerisch, könnten sie ja zumindest in größeren Städten nach Alternativen Ausschau halten, die weniger martialisch sind. Da gebe es Unterschiede, weiß der dreifache Vater aus eigener Erfahrung.

Der Erziehungsexperte erinnert zudem daran, dass Kinder einst „Räuber und Gendarm“ spielten und Eltern das schon immer für schädlich hielten und sich Sorgen machten. „Da ist die Verletzungsgefahr heute viel geringer.“

Von Claudia Wittke-Gaida