Eine wichtige Handschrift

Wer per Hand schreibt, begreift Formen schneller.


Kinder lernen Buchstaben am besten mit Stift und Papier – Digitale Hilfsmittel taugen als Ergänzung, aber nicht als Ersatz
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Analog oder Digital 

Interaktives Whiteboard statt grüner Schultafel, Beamerprojektion statt Kreide: Der Unterricht soll digitaler werden. So will es die Politik und fördert die Aufrüstung zur Schule 2.0 mit viel Geld. Doch lernt es sich digital wirklich besser als analog mit Stift und Papier?

Schreiben mit Stift und Papier mit vielen Vorteilen 

Zu Hause jedenfalls sollte das Tablet nur die zweite Geige spielen, sagen Experten. Denn wenn Kinder lesen und schreiben lernen, sind Stift und Papier Forschern zufolge noch lange nicht von gestern. Im Gegenteil: Das Schreiben auf diese Weise hat die meisten Vor- und die wenigstens Nachteile. Das zeigt eine Studie der Universität Ulm. Bei der Untersuchung hat eine Gruppe von Kindergartenkindern Buchstaben mit Stift und Papier erlernt, eine andere mittels einer virtuellen Tastatur und eine dritte mit einem digitalen Stift.

Das Ergebnis: Die Stift-Papier-Gruppe lag bei der Buchstabenerkennung und den visuell-räumlichen Fähigkeiten vorne. Denn, so das Fazit, wer mit der Hand schreibt, erlebt den Zusammenhang zwischen Buchstabenform und Bewegung und begreift so schneller.

Die Tastatur-Gruppe punktete aber auch: Beim Lesen und Schreiben ganzer Worte waren die Resultate gut. Besonders der digitale Stift zeigte Schwächen. Vermutlich erschwerte die rutschige Bildschirmoberfläche das Schreiben. Sollten künftige Tablet-Oberflächen eine ähnliche Reibung wie Papier bekommen, könnte sich das ändern. Allerdings sei der klassische Stift günstiger und technisch nicht so störanfällig. Man könnte auch sagen: Wozu viel technischen Aufwand betreiben und Geld investieren, wenn das Resultat bestenfalls den alten Stand erreicht?

Lernen am Tablet zählt als Bildschirmzeit 

Und wie steht es um das Lernen zu Hause mit Hilfe des Pads? Immerhin haben 58 Prozent der Deutschen laut Bitkom Research ein Tablet daheim, und es gibt immer mehr digitale Lernangebote dafür. Wer Schlaukopf.de oder Antolin schon genutzt hat, weiß, dass die Angebote durchaus gut beim Nachwuchs ankommen und Interesse fördern können.

Eltern sollten die Bildschirmzeit der Kinder aber im Blick haben, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Zwischen sechs und elf Jahren sollten Kinder maximal eine Stunde pro Tag vor Bildschirmen jedweder Art zubringen. Generell rät die BZgA: Kinder sollten lieber in Bewegung sein, als vor einem Bildschirm sitzen.

dpa/at