Eine Familie und die Liebe zu Büchern und Worten

 

Eine Familie, eine Leidenschaft


Foto: Mario Berger

Familie Nolle hat vier Geschichten für „Die Fledermaus im Apfelmus“ geschrieben. Das Vorlesebuch ist in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme erhältlich.

Gemeinsam essen stärkt den sozialen Zusammenhalt, verkünden psychologische Studien. Und Familien, die sich zum Essen zusammen an den Tisch setzen, lebten zudem gesünder, fand eine Professorin in den USA heraus. Um wie viel stärker ist dann wohl der Familienzusammenhalt, wenn bei regelmäßig gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten auch noch ein geteiltes Hobby für anregende Unterhaltung sorgt? Und welche Freizeitbeschäftigung könnte wohl für vielfältigeren Gesprächsstoff sorgen als die, der alle vier Mitglieder der Familie Nolle/Gaiser frönen: Lesen.

Harmonische Diskussionen und Austausch zu Erfahrungen und Gelesenem  

Auch wenn ihre Interessen thematisch und inhaltlich auseinandergehen, verbindet die gemeinsame Leidenschaft alle vier Löwensteiner Familienmitglieder. Die 19-jährige Jana studiert schon in Heidelberg, aber Tochter Sara begleitet ihre Eltern gerne zum Interviewtermin. Denn: „Über Bücher könnte ich stundenlang reden“, sagt die 15-Jährige. In harmonischem Einverständnis nimmt sie zwischen Gabriele Gaiser und Matthias Nolle Platz. In diesem Alter keine Selbstverständlichkeit. Besonders der Mama erzähle sie gerne von ihren Lektüre-Erlebnissen. Ihr bevorzugtes Genre: Fantasy. „Ich mag die Vorstellung von Dingen, die im echten Leben nicht so laufen würden“, begründet Sara ihre Vorliebe. Besonders „’Harry Potter’ bedeutet mir total viel. Damit habe ich so richtig angefangen zu lesen.“ Merkt jedoch noch kritisch an: „Es gibt aber Bücher, die mir vom Schreibstil her besser gefallen.“

Auch ihre Mutter hat „schon immer gerne gelesen“. Schließlich „taucht man da in eine andere Welt ab“, sagt Gabriele Gaiser. „Man ist einfach mal weg vom Alltag.“ Mit Patricia Shaw träumt sich die 50-Jährige gerne nach Australien oder mit Barbara Bickmore nach Afrika.

„Man ist einfach mal weg vom Alltag.“ - Gabriele Gaiser

„Ja, das ist wie ein kleiner Urlaub“, bestätigt auch Matthias Nolle. Wenngleich er bedauert, als selbständiger Landschaftsgärtner nicht mehr viel Zeit für Lieblingsautoren wie Ephraim Kishon, Heinz Erhard oder Wilhelm Busch zu haben. Der 54-Jährige mag es offensichtlich humorvoll, ist aber auch spannender Action nicht abgeneigt. Und Zeitunglesen findet er wichtig: „Wir unterhalten uns auch immer darüber, was in der Heilbronner Stimme steht“. Für den politisch Interessierten ist „das Blatt aufzuschlagen ein Ritual. Kaffee und Zeitung, das gehört für mich zusammen. Wir hatten die Stimme mal online abonniert“, doch er fand: „Das geht gar nicht.“

Das Lesen verbindet 

Die gemeinsame Lese-Leidenschaft belebt nicht nur das Gemeinschaftsgefühl der Löwensteiner. Ohne gäbe es sie womöglich gar nicht als Familie. Denn Gabriele Gaiser las die Kontaktanzeige, die Matthias Nolle mit einem Freund aufgegeben hatte. Sie suchten Leute für gemeinsame Unternehmungen. Beim Essen oder Bowling in der Freizeitgruppe kamen sich die beiden dann über die Frage „Was liest du gerne?“ näher. Die Liebe zum Buch wirkte von Anfang an verbindend, trotz verschiedener Lektüre-Neigungen.

Ihren Töchtern hat das Paar diese Neigung von klein auf weitergegeben. „Wir haben ihnen immer vorgelesen und dabei auch schon mal eigene Geschichten erfunden“, erzählt die Mutter. So trüge Sara ihren Namen, weil Tochter Jana ihn im Buch „Meine ersten Gute-Nacht-Geschichten“ entdeckte und schön fand. Und – Gabriele Gaiser zwinkert: „Der Name hat auch vier Buchstaben, wie Jana.“ Ist also nicht nur lautmalerisch eine gerechte Namensgebung. Natürlich hat sie auch das Kinderbuch gleich zur Hand.

„Über Bücher könnte ich stundenlang reden.“ - Sara Nolle

Und wie viele Bücher haben sie zu Hause? Welch’ Frage! Alle drei lachen: Unmengen! Unzählbar! Sogar „unten im Kleiderschrank auf dem Boden“, verrät Sara. Nicht nur Belletristik, auch Sachbücher zur Wissensvermittlung werden aufbewahrt.

Einmal führte das gemeinsame Hobby die drei sogar in einem Vorleseband zusammen. Denn wer viel liest, schreibt oft auch gerne. Und als 2013 einmal die Einsendungen Erwachsener beim Schreibwettbewerb der Kinderstimme zugelassen waren, machten alle vier Familienmitglieder mit. 2016 erschien „Die Fledermaus im Apfelmus“ mit illustrieren Siegergeschichten. Darunter vier Aufsätze der Familie Nolle. Zwei allerdings von Sara. Jana hatte, wie ihre Schwester, mehrfach mitgemacht, aber zu ihrem Leidwesen keinen Preis gewonnen. Jetzt studiert sie Biowissenschaften.

Saras Berufswunsch ist hingegen Lektorin oder Literatur-Übersetzerin. Wen wundert’s? Bereits jetzt liest die Zehntklässlerin am Justinus-Kerner-Gymnasium Weinsberg die Werke englischsprachiger Autoren auch im Original.

Von unserer Redakteurin Susanne Schwarzbürger


„Stimme liest vor“ am Vorlesetag

Am Freitag, 15. November, ist wieder Vorlesetag. Vor 15 Jahren haben die Stiftung Lesen gemeinsam mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutsche-Bahn-Stiftung erstmals zu der bundesweiten Aktion zur Leseförderung aufgerufen. Die Stadtbibliothek Heilbronn beteiligt sich mit der Aktion „Man(n) liest vor“ in Kindergärten und Grundschulen. Und bei „Stimme liest vor“ lesen am Freitag ab 18 Uhr in der Boxx des Heilbronner Stadttheaters Schauspieler die Aufsätze der Gewinner des diesjährigen Schreibwettbewerbs der Kinderstimme vor. Sara Nolle hat fünfmal an dem Wettbewerb teilgenommen, als sie im passenden Alter, neun bis 13 Jahre, war.
sb