Ehrenamtliche Familienpaten

Entlastung für die Eltern, Spaß für die Kinder


Mama Ivana Kampa (links) und ihre vier Söhne freuen sich über jeden Besuch von Familienpatin Britta Alicke.
Foto: Tanja Ochs

Daniel freut sich jedesmal, wenn Britta Alicke zu ihm und seinen Brüdern kommt. Die 56-Jährige schaut als ehrenamtliche Familienpatin einmal pro Woche bei Familie Kampa vorbei, um mit den vier Kindern etwas zu unternehmen. Nicht nur der Älteste findet das super: Ausflüge auf den Spielplatz oder in den Wald, Spaziergänge oder Spiele stehen mit Britta auf dem Programm. Für Mama Ivana Kamp eine Erleichterung: „Ich weiß, meine Kinder sind gut versorgt.“

Seit 2015 sind Familienpaten für den Kinderschutzbund Heilbronn in der Stadt aktiv, seit diesem Jahr gibt es das Angebot auch im Landkreis. „Wir unterstützen damit Familien“, erklärt Koordinatorin Jutta Räbiger. Bei ihr stehen die Menschen im Mittelpunkt: Zwischen Pate und Familie müsse die Chemie stimmen. Die ehrenamtliche Begleitung wird zur Bezugsperson und entlastet die Eltern. „Damit leisten wir Prävention“, sagt die Verantwortliche. Wenn es den Eltern gut gehe, gehe es auch den Kindern gut, betont sie.

Die Paten als Bezugsperson 

Ivana Kampa weiß das sehr zu schätzen. Immer donnerstags kann die berufstätige Pflegepädagogin am Nachmittag ohne Kinder planen, zuverlässig und regelmäßig. „Mit vier Kindern hat man nie genug Zeit“, sagt die 35-Jährige. Sechs und drei Jahre alt sind ihre beiden großen Söhne Daniel und Karl. Als Britta Alicke vor einem knappen Jahr in die Familie kam, waren die Zwillinge Kurt und Paul noch kein Jahr alt. „Das ist eine Herausforderung“, weiß die Mama. Durch Zufall habe sie von dem Angebot des Kinderschutzbundes erfahren und Kontakt mit Jutta Räbiger aufgenommen. Die nennt sich selbst „die Patin der Paten“ und versucht stets, die passenden Menschen zusammenbringen. „Es soll allen gut gehen“, erklärt sie. Die Bindungen, die entstehen, seien unbezahlbar und für beide Seiten positiv.

Die Verantwortliche steht in regelmäßigem Austausch mit den derzeit 14 Paten, die alle eine Schulung durchlaufen haben. „Dabei lernt man auch, sich selbst zu reflektieren“, erzählt Britta Alicke. Man bekomme ein Gefühl dafür, wie weit man sich in den Familien einbringen kann, und wo man sich besser zurücknimmt. Die Paten gehen wertfrei in die Familien, betont Jutta Räbiger. Sie belehren nicht oder kritisieren, sondern akzeptieren das Lebensmodell der anderen. Für Britta Alicke kein Problem, trotzdem ist ihre Meinung gefragt. „Sie hat Lebenserfahrung und ist selbst Mutter“, schätzt Ivana Kampa. Zwischen ihnen habe es „gleich funktioniert“. Die ersten beiden Male gingen die beiden zusammen mit den Kindern auf den Spielplatz. Die vierfache Mutter wusste schnell: Der Frau kann ich meine Kinder anvertrauen. „Sie freuen sich immer, wenn Britta kommt“, erzählt die Mutter. Und alle kommen fröhlich nach Hause, wenn sie mit der Patin unterwegs waren.

 Unschätzbarer Wert für die Familie

Die Kampas sind die dritte Familie, die Britta Alicke betreut. Seit drei Jahren ist die Talheimerin ehrenamtliche Familienpatin. „Die Idee ist klasse“, sagt sie, „ich wünschte, das hätte es bei mir schon gegeben.“ Ihre beiden Töchter sind 23 und 20 Jahre alt und aus dem Haus, zweimal pro Woche arbeitet die 56-Jährige als Angestellte in einem Büro. Aber donnerstags gehört der Nachmittag Daniel, Karl, Kurt und Paul. „Die sind so lieb und herzlich“, schwärmt Britta Alicke. Die Fünf sind ein gutes Team.

Normalerweise ist die Begleitung auf ein Jahr angelegt, Britta Alicke bleibt aber vorerst in ihrer Familie, weil sie gebraucht wird. Ivana Kampa ist vor Kurzem wieder in ihren Job eingestiegen und muss noch ein Masterstudium draufsatteln, um weiter an der Berufsschule unterrichten zu können. Mit der Familienpatin habe sie dabei „eine Sorge weniger“, denn die Belastung werde nicht kleiner, auch wenn die Kinder älter werden. Jutta Räbiger weiß, wie schwer es für manche Familien ist, einen Babysitter zu finden, der regelmäßig kommt. Die Paten werden gebraucht, ihr Einsatz ist für die Familien kostenlos. Die geschenkte Zeit ist ohnehin unbezahlbar. „Ich bin so froh, dass es das gibt“, erklärt Ivana Kampa.

Von unserer Redakteurin Tanja Ochs


Schulungen

Der Kinderschutzbund bietet regelmäßig Schulungen für Familienpaten an. Die Kurse dauern 42 Stunden in einem Zeitraum von sechs bis sieben Wochen. „Die Paten entscheiden sich bewusst dafür“, sagt Koordinatorin Jutta Räbiger. Der nächste Infoabend für Interessenten ist am Donnerstag, 13. Februar, 19 bis 20 Uhr beim Kinderschutzbund Heilbronn, Weinsberger Straße 91. Die nächste Schulung für Paten, die in der Stadt Heilbronn eingesetzt werden, beginnt am 6. März. Teilnehmen können Männer und Frauen. Für den Einsatz im Landkreis gibt es im Herbst eine Schulung.
tox