Die Trennung der Eltern

Bessere Kommunikation, positive Beziehung


Wenn Mutter und Vater sich trennen, beginnt oft ein Tauziehen ums Sorgerecht. Ein Kurs, der die Kinder im Blick hat, hilft Eltern, die angespannte Situation zu bewältigen.

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Eine Trennung ist für jedes Familienmitglied eine Ausnahmesituation, weiß Sabine Acker. Erdrutschartig verändere sich das ganze Leben. „Alles muss neu geordnet werden“, sagt die Sozialpädagogin. „Das ist eine irrsinnige Belastung für die ganze Familie.“ Insbesondere für Kinder sei die Trennung der Eltern oft schwierig.

Der Kurs „Kinder im Blick“ (KIB) soll Eltern in Trennung dabei helfen, die Situation miteinander zu meistern, ohne dass die Beziehung zu ihren Kindern darunter leidet. Zusammen mit Kay Schuster bietet Sabine Acker den Kurs zum ersten Mal in Heilbronn an. Beide sind zertifizierte KIB-Trainer. Das Elterntraining, das der Münchner Verein Familien Notruf und die Universität München wissenschaftlich begleiten, wird seit zehn Jahren bundesweit durchgeführt. „Der Bedarf ist da“, ist sich Sabine Acker sicher.

Der Kurs bietet verschiedene Übungen und viel Input 

In Heilbronn beginnt das Programm am 11. November. Die Teilnahme ist kostenlos, Stadt und Landkreis Heilbronn finanzieren den Kurs. Das Angebot umfasst sechs Abende mit jeweils drei Stunden und kann um eine weitere Einheit zum Thema Patchworkfamilien erweitert werden. Im 14-tägigen Wechsel werden zwei Kurse angeboten, so dass beide Eltern in getrennten Gruppen an KIB teilnehmen können. Es sei sinnvoll, wenn Mutter und Vater mitmachen, erklären die Kursleiter. Eine Voraussetzung für die Anmeldung sei das allerdings nicht.

Dabei handele es sich nicht um eine Selbsterfahrungsgruppe, betont Sabine Acker. „Jeder kann so viel einbringen, wie er möchte.“ Die Eltern bekommen sehr viel Input, Übungen veranschaulichen Konfliktlösungen, gleichzeitig sind Austausch und Perspektivwechsel möglich. Sabine Acker ist als Sozialpädagogin bei der Stadt Heilbronn beschäftigt und war lange Verfahrensbeistand beim Familiengericht. Kay Schuster arbeitet bei der Caritas und ist ausgebildeter systemischer Elterncoach. Der 40-Jährige ist überzeugt, dass KIB den Eltern gut tut. Ziel ist es, die Kommunikation mit dem anderen Elternteil zu verbessern und die positive Beziehung zu ihren Kindern zu stärken.

Das KIB-Programm umfasst drei Schwerpunkte. Es geht zuerst um die Beziehung zum Kind und dessen Bedürfnisse. Außerdem um das "Wir" bei der Trennung, den Umgang mit dem Partner. „Man muss viele Sachen regeln“, sagt Sabine Acker. Dabei bewege man sich oft in einem Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt, um wieder miteinander zu kommunizieren. Entsprechende Methoden dafür werden im Kurs trainiert. Der dritte Teil schließlich ist das Ich. Selbstfürsorge sei bei einer Trennung wichtig. „Nur wenn es den Eltern gut geht, geht es auch dem Kind gut“, sagt die Sozialpädagogin. Bei einer Trennung müsse man das Selbstverständnis neu definieren, schließlich ändere sich der Lebensplan schlagartig. „Viele kommen aus der Ausnahmesituation nicht mehr heraus“, erklärt die 62-Jährige. Aber es sei wichtig, wieder ein gutes Leben aufzubauen – auch für die Kinder. „Da darf man ruhig selbstbewusst sein.“ KIB unterstützt Eltern bei diesem Übergang, gibt ihnen Tipps und die Möglichkeit, andere Eltern in ähnlicher Situation kennenzulernen.

Anmeldung für den Workshop 

Unabhängig davon organisiert die Beratungsstelle für Familie und Erziehung der Stadt Heilbronn einen Workshop „Mama und Papa haben sich getrennt“ für Kinder im Alter von acht bis elf Jahren. Am Samstag, 16. November, von 10 bis 16 Uhr können Mädchen und Jungen in einer vertrauensvollen Atmosphäre auf spielerische Art und Weise miteinander und mit den Gruppenleiterinnen ins Gespräch kommen. Anmeldung unter Telefon 07131 562648 oder per E-Mail an bfe@heilbronn.de.

„Eine Trennung ist eine irrsinnige Belastung für die ganze Familie.“ Sabine Acker

Von unserer Redakteurin Tanja Ochs