Die Kinder stehen im Mittelpunkt

Kinder, Organisator Andreas Fischer und Clown Gino vom Heilbronner Weihnachtszirkus formen mit ihren Händen in der Zirkusmanege die „Miteinander“-Hand, das Zeichen des Vereins.

Fotos: Mario Berger

Erstklässler Ian Hutchinson aus Kirchheim steht, umgeben von seinen Eltern und der kleinen Schwester, ehrfürchtig vor dem großen roten und mit Lampions geschmückten Zelt des Weihnachtszirkus’ auf der Theresienwiese. Dass es am Samstagmorgen kalt ist und leicht regnet, spielt für ihn keine Rolle. Er wartet geduldig darauf, dass seine Eltern mit ihm ins Zelt gehen und ist besonders „auf die Kamele“ gespannt. „Ich freue mich, dass ich zum Zirkus kann“, sagt auch Haya, Grundschülerin aus Bad Rappenau-Bonfeld. „Hier ist alles schön und gut.“ Sie ist das Kind von Geflüchteten aus dem syrischen Palmyra. Sie möchte „danke“ sagen, sagt sie. Sie lächelt. Sonja Will, die in Bad Rappenau schulische Sprachförderung macht, begleitet außer Haya noch 23 andere geflüchtete Kinder. „Wir sind nur drei erwachsene Begleitpersonen, damit möglichst viele Kinder mitkommen konnten.“ Jeanette Renk-Mulder, Integrationsbeauftragte in Bad Rappenau, ist begeistert, dass es den Zirkuspalast gibt und ergänzt, wie „schön“ die Veranstaltung für die Kinder ist. Sie spricht „ein großes Dankeschön an die Spender und den Verein“ aus.

Mehrere hundert Kinder dürfen dann auch auf die Bühne kommen, als der orangefarbene Miteinander-Kinderbus, der während der Bundesgartenschau Spiele für Kinder anbietet, in die Manege fährt.

Spannung Aufgeregtes Stimmengewirr. Rotes Licht, der Vorhang auf der Bühne glitzert, Zirkusmusik erklingt, es kann losgehen: Zur Begrüßung putzt Clown Gino die Kinder, die in der ersten Reihe sitzen, mit einem Staubwedel. Würdevoll betreten Kamele die Manege, es folgen die Artistin Geraldine, die mit Ringen jongliert, eine akrobatische „Spinnenfrau“ und Seiltänzer. Als die Seiltanzgruppe einen „Weltrekord“ aufstellt, schauen alle gebannt nach vorne. Viertklässlerin Azra aus Lauffen ist von einem Trampolinkünstler angetan, der sich wiederholt an einem Gerüst anstößt und zu Fall kommt. Die Zehnjährige ist mit ihrem Vater und ihren Geschwistern gekommen. Auf ihrem Schoß hält sie einen großen Becher Popcorn. Die Kinder werden rundum verwöhnt. Sie erhalten auch Papiertüten mit Getränken, Süßigkeiten und Spielgeld. Mit den Plastikmünzen kaufen sich viele Kinder Leuchtschwerter und schwingen sie durch die Luft, dann, wenn es zwischen den Zirkusnummern kurz dunkel im Zelt wird.

Gerührt Die Kinder von der Manege aus zu begrüßen, „ nimmt mich jedes Mal mit“, sagt Organisator Uwe Deuster. Er dürfe für alle Helfer Lob und den Applaus der Kinder in Empfang nehmen. Seit einem Jahr plant der Verein Miteinander e. V., der vor allem Kinder erreichen will, die weniger Glück im Leben erfahren, den Zirkuspalast. Vor Weihnachten „endet die Vorbereitungszeit“, erzählt Mitglied Uwe Deuster. Am Morgen haben sich die Organisatoren getroffen. Doch um acht Uhr standen auch schon die ersten Kinder vor der Tür. „Obwohl alles vorbereitet war, wurde es stressig.“ Der zwölfjährige Eric Flügel darf beim Einwinken der Autos auf dem Parkplatz helfen: „Die Stimmung ist toll bei uns Mitarbeitern“, sagt er.

Bereicherung Schirmherr Günther Oettinger ist wie jedes Jahr anwesend. „Ich denke an meine eigene Kindheit“, sagt er. Jedes Jahr im Herbst sei er mit seinen Großeltern und seinem Bruder auf dem Wasen in den Zirkus gegangen. Für Oberbürgermeister Harry Mergel „gehört der Zirkuspalast zu Weihnachten und zum Jahreswechsel dazu“. Bürgermeisterin Agnes Christner betont, dass es so etwas wie den Zirkuspalast nur in Heilbronn gebe. „Es ist eine schöne Bereicherung für das, was wir als Stadt machen.
 

Gut gelaunt unter den Kindern: Sozialbürgermeisterin Agnes Christner (v. links), der Schirmherr des Zirkus, EU-Kommissar Günther Oettinger, und OB Harry Mergel.

Von unserem Redaktionsmitglied Marie-Luise Schächtele


Besonderes Projekt

2380 Kinder wurden vom Heilbronner Verein Miteinander. zur Zirkusvorstellung eingeladen. Die Kinder werden von Erwachsenen, der Familie oder Betreuern begleitet. 40 Ehrenamtliche haben den besonderen Neujahrsanfang für Kinder unter Leitung von Andreas Fischer und Uwe Deuster vorbereitet. Die Kosten, die der Verein trägt, liegen bei 30 000 bis 35 000 Euro. Auch unter den Helfern befinden sich Kinder. mls