Der Haushalt ist eine Gefahrenzone

Im Notfall muss man zu Hause Erste Hilfe leisten, bis der Rettungswagen eintrifft


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Das Zuhause als Gefahrenquelle

Während die Risiken des Straßenverkehrs allgemein bekannt sind, werden Gefahren im eigenen Heim häufig unterschätzt. Dabei sind laut Statistischem Bundesamt 2017 in Deutschland etwa 11 000 Menschen durch Haushaltsunfälle gestorben. Und eine weitere Zahl springt ins Auge: „Jährlich haben vier Millionen Menschen in Deutschland Arztkontakt nach einem Haushaltsunfall“, sagt Tobias Helfen, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Notfallmedizin am Klinikum der Universität München (KUM). Die Fälle reichten von Stürzen von der Leiter beim Fensterputzen bis hin zu dem Kind, das unbemerkt Reinigungsmittel trinkt.

Im Notfall aktiv sein 

Auf den Arzt zu warten, ist oft keine Option. Im Gegenteil: Erste Hilfe kann lebenswichtig sein, auch in den eigenen vier Wänden. „Die Nummer 112 kennt jeder, sinnvoll ist es aber auch, die Telefonnummer des nächstgelegenen Gift-Informationszentrums gut sichtbar in der Nähe des Telefons zu haben“, rät Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion „Das Sichere Haus“ (DSH). Beim Giftnotfall spielen nicht nur Chemikalien eine Rolle, es könnten auch Pflanzen im Garten sein wie etwa Tollkirsche oder Stechapfel, und dabei reichten schon geringe Mengen, sagt Prof. Peter Sefrin, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Wichtig ist direkt nach dem Unfall auch Eigenschutz, vor allem bei Strom- und Gasunfällen. Ist der Notarzt auf dem Weg und die eigene Sicherheit gewährleistet, kann man anderen helfen. Zu den Maßnahmen gehören stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung und Blutstillung. Diese können zwischen Leben und Tod entscheiden.

In den etwa zehn Minuten, die zwischen Notruf und Eintreffen der Rettungskräfte durchschnittlich vergehen, können auch andere Hilfsaktionen notwendig sein: So kommt es daheim regelmäßig zu Verbrennungen, dann gilt: Kühlen, aber nicht zu viel. Betroffene Patienten kämen oft unterkühlt in der Klinik an, sagt Helfen. Weil durch die verletzte Hautbarriere ohnehin mehr Wärme verloren geht, rät er zu gemäßigtem Kühlen. „Normal temperiertes Wasser reicht, es muss nicht der Eisbeutel sein“, so Helfen. Und nach zehn Minuten sei der Nachbrenneffekt vorbei, dann reiche es auch.

Genauso gilt es bei Knochenbrüchen, alte Annahmen zu überdenken: „Früher dachte man, man müsse schienen. Heute ist das aber nicht mehr erforderlich“, sagt Sefrin. Der Rettungsdienst habe da bessere Möglichkeiten. Für die Erste Hilfe durch den Laien reicht es aus, anderweitig zu stabilisieren. Bei einem Beinbruch könne man eine Decke oder einen Gegenstand ans Bein legen, um Bewegung zu verhindern. Damit vermeide man Schmerz und weitere Verletzungen.

Richtiges Verhalten lernen  

Wer sich nicht ganz sicher ist, in welchem Rhythmus man Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung ausführt, kann sein Wissen bei einem Erste-Hilfe-Kurs auffrischen. Den gibt es auch für spezielle Zielgruppen wie Eltern oder Leute, die sich um Senioren kümmern.

Reinigungsmittel gehören in einen sicher verriegelten Schrank, sonst kann es bei Kindern zu Vergiftungen kommen.

Noch besser ist es aber, wenn es gar nicht erst zu einem Unfall kommt. So können eine umsichtig platzierte Anti-Rutsch-Matte, angemessene Schutzkleidung oder der sicher verriegelte Reinigungsschrank gewiss das eine oder andere Unglück abwenden.

Von Aline Dammel, dpa