Besinnliche Stunden, freudige Momente

Weiße Kerzen, weiße Tischdecken, weißer Wein – und am ersten Feiertag immerhin Raureif. Auch ohne Schnee feierten die Familien in Unterland, Hohenlohe und Kraichgau wie alle Jahre Weihnachten: im Gottesdienst, unterm Christbaum, mit einem Festschmaus – jeder auf seine Art.

„Richtig geschneit“ habe es an Weihnachten zuletzt 2010, weiß Wettermann Willi Funk aus Eppingen. Überhaupt: „Weiße Weihnachten gibt es bei uns vielleicht ein, zweimal im Jahrzehnt.“ Winterlich waren diesmal zumindest die Temperaturen. Am 1. Feiertag rutschte das Thermometer von plus 12,2 an Heiligabend auf minus 2,6 Grad ab und pendelte auch sonst um die Null-Grad-Marke herum. Aus dem meist bedeckten Himmel fielen in der Heiligen Nacht nur 0,2 Liter pro Quadratmeter, sodass das leichte Hochwasser langsam wieder abfloss.

Krippenspiel Trockenen Fußes fanden viele Gläubige den Weg in die Kirchen. Vielerorts waren Festmessen oder Krippenspiele angesagt. So etwa in Duttenberg, wo Jugendliche mit der Musikgruppe Sound and Spirit die Herbergssuche auf Höhe der Zeit interpretierten. „Damals wie heute sind Menschen unterwegs und auf der Suche“, erklärte Pfarrer Dieter Zimmer. Das Licht von Bethlehem könne ihnen dabei den rechten Weg zeigen: zur Ruhe, zum Frieden.

Über 100 Sänger kamen dem Aufruf von SLK-Klinkseelsorger Siegfried Fischer nach und sangen im Klinikum Gesundbrunnen Weihnachtslieder. Karl Kühner wechselte vom Publikum aufs Podium. „Vor einem Jahr lag ich nach einer OP über Weihnachten fast allein auf Station“, berichtete der 68-Jährige. „Heute möchte ich zurückgeben, was ich damals bekommen habe: Trost und Freude durch Musik.“ Ein Freudentag war der 24. Dezember für Amalia Cucu aus Heilbronn: Sie brachte im Klinikum um 9.07 Uhr ihre Tochter Sellina Nicole zur Welt. Es war keine leichte Geburt, sagte Cucu später, aber als sie ihr Mädchen in den Amen hielt, war für sie „alles vergessen“.

Zu den Weihnachtsklassikern gehört der Weihnachtszirkus auf der Heilbronner Theresienwiese. Alexandra und Hans-Jürgen Becker aus Nordheim schauten mit Leona (10) und Helena (2) zu und waren begeistert: von den Pferden und Mini-Ponys über die russischen Artisten bis hin zur Motorrad-Nummer.

Festessen Küchenmeister Andreas Müller aus Bönnigheim, einer der Köche beim Gourmet Palast in Heilbronn, gönnte sich und seinen bis zu 350 Mitarbeitern nach einem vollen Catering-Kalender im Advent etwas Urlaubsruhe. Andere Gastronomen und Hobbyköche standen fürs Festessen mitunter unter Hochdruck.

Im Aquatoll in Neckarsulm ließen es die Badegäste am zweiten Feiertag ruhig angehen. Um die Mittagszeit waren rund 300 Wasserratten im Bad, das bis zu 2000 Besucher fasst. So beschaulich wird es in den nächsten Tagen nicht bleiben. „Zwischen Weihnachten und Dreikönig ist es bei uns spätestens ab 14 Uhr richtig voll“, berichtete Mitarbeiterin Annette Schädel aus Erfahrung.

Ein tierisch gutes Weihnachtsfest erlebten die Bewohner des Wildparadieses Tripsdrill. Etwa 1000 Besucher bei der Tierweihnacht am vierten Advent meldete Andreas Fischer, Mitglied der Geschäftsleitung. Der erste Weihnachtsfeiertag verlief ruhig, ansonsten herrschte normaler Betrieb – wie gewohnt mit Tierfütterungen und Flugvorführungen. Das bleibe in den Ferien so, meinte Fischer: auch an Silvester und am Neujahrstag.

Sorgt ab dem 27.12. wieder für Gaumenfreuden im Gourmet Palast: Thomas Zier.

In vielen Kirchen wurden Festgottesdienste gefeiert, so wie hier in St. Peter und Paul, wo der Chor am Deutschordensmünster und das Heilbronner Kantatenensemble unter Leitung von Michael Saum eine Schubert-Messe sangen.

Amalia Cucu (23) mit ihrer Tochter Sellina Nicole, einem kleinen Christkind.

Fotos: Andreas Veigel

Von unseren Redakteuren Steffan Maurhoffund Kilian Krauth