Babysitter richtig finden

Die Kunst des Aufpassens


Stimmt die Chemie zwischen dem Babysitter und dem Kind, profitieren nicht nur die Eltern. Auch die Kleinen können von der neuen Person viel lernen.
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Viele Menschen sitzen zurzeit im Homeoffice – und wer sich währenddessen auch noch um seine Kinder kümmern muss, weiß: Es arbeitet sich schlecht, wenn ein Kleinkind unter dem Schreibtisch sitzt oder ständig auf dem Schoß sitzen und mittippen will oder es jede Minute an der Tür klopft: „Papa, kannst du mir ein Buch vorlesen?“ Zumindest für ältere Kinder gibt es bereits eine Lösung: das sogenannte Virtual Babysitting. Die Idee stammt wohl aus Amerika, jedenfalls nutzen bisher vor allem Eltern dort diese Form der Kinderbetreuung. Hierzulande macht bisher nur die Onlineplattform Babysits auf Virtual Babysitting aufmerksam. Das Prinzip ist einfach: Während die Eltern arbeiten, hält der Babysitter über Messengerdienste wie Skype, Zoom oder Facetime mit dem Kind Kontakt. So kann er dem Kind beispielsweise vorlesen, ihm bei den Hausaufgaben helfen oder es beim Basteln anleiten.

Wohlfühlen mit dem Babysitter

Doch auch in Zeiten ohne Corona-Krise tut Eltern eine gelegentliche Kinderpause ganz gut. Einfach mal wieder zu zweit in die Sauna gehen, einen romantischen Film im Kino sehen, mit Freunden treffen, ohne darauf achten zu müssen, dass das Kind die Tischdecke herunterzieht. Wenn Oma und Opa nicht in der Nähe wohnen, muss dafür meist ein Babysitter her. Viele Eltern sind sich dann unsicher, woran genau man den besten Babysitter für sein Kind erkennt – zumal einschlägige Plattformen im Netz das Ganze als Herkulesaufgabe darstellen und beispielsweise damit werben, dass die dort vermittelten Betreuer Babysitterdiplome und ähnliche Zertifikate mitbringen. Auch der Deutsche Kinderschutzbund rät: „Ein qualifizierter Babysitter sollte Grundlagenwissen in der Kinder- und Säuglingspflege sowie der Entwicklungspädagogik besitzen.“ Im Notfall solle er zudem Erste Hilfe leisten und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen können.

„Babysitterdiplome oder Infos über langjährige Erfahrung können nur eine äußere Orientierung bieten“, sagt dagegen Stefan Hetterich. Er arbeitet in Regensburg als Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche und ist selbst Vater von zwei Kindern. Hetterich ist sich sicher: „Viel wichtiger ist das berühmte Bauchgefühl. Fühlen Sie sich als Eltern wohl mit dem Babysitter? Fühlt sich Ihr Kind wohl? Beobachten Sie, wie Babysitter und Kind miteinander umgehen.“ Andernfalls ist es besser, nach einigen Treffen noch mal von Neuem auf die Suche zu gehen, denn: „Kinder spüren sehr genau, wenn sich Eltern mit dem Babysitter unwohl fühlen“, sagt der Psychotherapeut. Fiele es den Eltern innerlich schwer, der Betreuungsperson zu vertrauen, entwickelten viele Kinder daraufhin Ängste und reagierten entsprechend anhänglich.

Darüber hinaus hängt der Erfolg der Fremdbetreuung primär davon ab, ob das Kind bereit dafür ist. „Eine Fremdbetreuung macht erst dann Sinn, wenn das Kind bereits eine stabile Bindung zu seinen Eltern aufgebaut hat“, sagt Hetterich.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist für Kinder „die emotionale Bindung und positive Beziehung zumindest zu einem Elternteil oder zu einer zuverlässigen erwachsenen Bezugsperson von entscheidender Bedeutung für eine gesunde seelische Entwicklung und für psychische ‚Robustheit’, die sogenannte Resilienz.“

In der Bindungsforschung geht man dem Psychotherapeuten Hetterich zufolge davon aus, dass im Alter von zwölf Monaten festgestellt werden kann, inwieweit sich ein Kind an die Eltern sicher gebunden fühlt. Das bedeutet: „Es gibt eine Balance zwischen dem Suchen nach Nähe und dem Drang, die Welt zu erkunden.“ Schwierig wird es, wenn das Bedürfnis nach Nähe noch den Entdeckerdrang überwiegt. Intuitiv fühlt sich das Kind von den Eltern weggeschoben, kann Verlustängste entwickeln und klammert umso mehr. Eine regelmäßige aktive Betreuung sei frühestens ab einem Alter von 24 Monaten sinnvoll, sagt Hetterich, und das an maximal drei Tagen die Woche für je maximal vier Stunden.

Kennenlernen zum Eingewöhnen

Hat man einen Babysitter gefunden, braucht das Kind eine Eingewöhnungszeit. Währenddessen zeigt sich, ob der Babysitter seiner Aufgabe gewachsen ist. „Babysitter sollten beruhigend wirken können und Freude bei ihrem Tun vermitteln. So schaffen sie eine positive und für die Kinder hilfreiche Atmosphäre“, meint Hetterich. Ist das der Fall und das Kind lässt sich auf eine neue Bezugsperson ein, können nicht nur die Eltern aufatmen. Auch das Kind profitiert, denn es lernt so, mit unterschiedlichsten Menschen gut zurechtzukommen.

Von Helene Kilb


Betreuungskosten sind absetzbar

Eltern können Kosten für die Betreuung von Kindern bis zum 14. Lebensjahr steuerlich geltend machen, und zwar als Sonderausgaben. In der Anlage Kind können sie Ausgaben für die Kita, den Hort oder auch den Babysitter eintragen. Allerdings erkennt das Finanzamt im Falle von Babysittern keine Barzahlung an. Als Nachweis gilt der Kontoauszug, oder ein Babysittervertrag (Blankoversionen gibt es im Internet). Dieser regelt neben dem Verdienst auch versicherungsrechtliche Fragen. Auch wenn kein schriftlicher Vertrag geschlossen wird, sollte der Babysitter haftpflichtversichert sein. Jugendliche sind das in der Regel noch über ihre eigenen Eltern.

red