Aus jungen Frauen werden Freundinnen

Neuer Kurs bei Pro Familia für Schwangere bis 25 Jahre

Foto: Heike Kinkopf
Jasmin Götz (von links), Martina Henn und Alicja Orlowski mit ihren Kindern in der Beratungsstelle von Pro Familia.

Sie sind jung, beruflich und privat noch nicht festgelegt, und dann werden sie schwanger. Frauen unter 25 Jahren bewegen nach Erfahrung von Margit Bay andere Fragen als ältere Frauen, die ein Baby erwarten. „Jüngere befinden sich meist in einer anderen Lebenssituation“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Bay. Seit knapp 15 Jahren bietet sie bei Pro Familia in Heilbronn Schwangerschaftskurse für unter 25-Jährige an. Im Februar startet der nächste. Die Teilnehmerinnen erhalten bei den sechs geplanten Treffen Informationen zu Schwangerschaft und Geburt. Im besten Fall finden sie Freundinnen, die mit ihnen durch dick und dünn gehen.

„Egal, wann ich eine Nachricht losgeschickt habe, es kam immer eine Antwort“, erzählt Martina Henn. Im Kurs vor mehr als einem Jahr lernt sie andere junge Frauen kennen. Eine von ihnen ist Jasmin Götz (21) aus Neckarsulm. Beide sind alleinerziehend. „Jasmin ist diejenige, die mir in den schwersten Situationen Rückhalt gegeben hat“, sagt Henn, die mit ihren Zwillingen in Eppingen lebt.

Unterstützung erfährt auch Alicja Orlowski (20) aus Heilbronn. Der Zusammenhalt tut gut, obwohl sie einen Partner hat. Er und seine Familie haben ihr Mut gemacht. „Du schaffst das.“ Trotzdem macht sie sich während der Schwangerschaft Gedanken. Wie es wohl sein wird, ein eigenes Kind zu haben, für das sie durchgängig verantwortlich ist? Im Kurs bei Pro Familia sprechen die Frauen über ihre Ängste, aber auch über ihre Hoffnungen. Von sechs Teilnehmerinnen ziehen vier ihr Kind ohne Partner groß.

Das Programm ist die Gruppe und deren Fragen

Wie kommt das Kind durchs Becken? Was passiert beim Blasensprung? Klar geht es im Schwangerschaftskurs auch um derartige Fragen. „Wir ziehen aber nicht stur unser Programm durch, sondern schauen, was die Frauen wollen“, beschreibt Margit Bay den Verlauf der Treffen. So sprächen die Frauen auch darüber, was eigentlich eine gute Mutter ausmache.

„Das Schöne ist, die jungen Frauen kommen schnell in Kontakt“, sagt Hebamme Daniela Pfeiffer-Stäbler, die den Kurs begleitet. Bei Kursen mit älteren Frauen stellt sie fest, dass die Teilnehmerinnen vor allem Fakten zur Geburt oder zum Stillen haben möchten. „Um sich in der Gruppe emotional zu öffnen, braucht es oft länger.“ Die jüngeren dagegen sprechen bereitwillig darüber, wie ihre Woche seit dem zurückliegenden Treffen war. Sie sagen, was sie fühlen, wie es ihnen geht. „Es ist unser großer Wunsch, dass die jungen Frauen hier im besten Fall stabile Beziehungen finden“, nennt Margit Bay ein Ziel.

Nach dem Kurs bleiben die Teilnehmerinnen Henn, Götz und Orlowski in Verbindung. Inzwischen sind ihre Kinder seit etwa einem Jahr auf der Welt. Nach der Geburt treffen sich die Frauen in größeren Abständen. Nach wie vor erfahren sie Hilfe und Unterstützung. Jasmin Götz’ kleiner Sohn ließ sich beispielsweise oft nur schwer beruhigen. In einem Gespräch bei Pro Familia erhält die junge Mutter Tipps von einer Beraterin. Nun klappt es. „Egal, was ich für eine Frage habe, ich werde hier auf der Matte stehen“, sagt Martina Henn und lacht. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle seien wie eine Familie für sie geworden. Schwangerschaft und Geburt liegen hinter den Müttern. Nun drehen sich ihre Gespräche und Fragen um andere Themen als zur Zeit während der Schwangerschaft. So geht es etwa um die schwierige Suche nach einem Kita-Platz. „Die Betreuung“, sagt Alicja Orlowski, „ist ein Riesenthema.“

Verabredungen gegen den Alltag

Die Frauen sind füreinander da, wenn einer mal die Decke auf den Kopf fällt. „Der schlimmste Tag in der Woche ist der Sonntag“, meint Martina Henn. Jasmin Götz stimmt zu. Geschäfte und Anlaufstellen seien geschlossen, „und draußen siehst du nur glückliche Paare“. Die Frauen verabreden sich ab und zu. Margit Bay erzählt, dass sie zum Ende der sechs Treffen fragte, was die Frauen aus dem Kurs mitnehmen. Deren Antwort habe gelautet: „Uns.“

Von unserer Redakteurin Heike Kinkopf


Angebot

In den Räumen der Beratungsstelle Pro Familia in Heilbronn finden schwangere Frauen Ansprechpartnerinnen rund um die Geburt. Sie erhalten Informationen zu medizinischen Fragen, zu Eltern- und Kindergeld sowie Hilfe und Unterstützung in bestimmten Lebenslagen. Frauen unter 25 Jahren macht Pro Familia ein speziell auf sie zugeschnittenes Angebot. Sie sprechen über ihre veränderte Lebenslage, über den Umgang mit dem Baby, aber auch über Fragen, die etwa die Ausbildung oder die Situation als Alleinerziehende betreffen. Am Mittwoch, 19. Februar, startet der nächste Kurs für junge Schwangere. Sechs Treffen sind geplant, dazu gibt es einen zusätzlichen Abend für Paare. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 07131 89177 oder per E-Mail unter heilbronn@profamilia.de. Der Kurs ist kostenfrei. kik