Alles muss gelernt werden

Mit Lust statt Frust durch die ersten Jahre


Nicht selten erziehen dabei kleine Kinderdickschädel ihre Eltern, die sich zum Affen machen, um den Nachwuchs gefügig zu stimmen.
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Nicht jede Stadt hat ein Haus eigens für Familien. Stuttgart hat eines, Karlsruhe auch. In der Region unterstützt das Haus der Familie in Heilbronn Eltern und Kinder auf dem nicht immer leichten Weg des gemeinsamen Wachsens – schon seit rund 80 Jahren. Rund 500 Angebote listet das neue Semesterprogramm auf – Angebote für Babys, Kinder und Jugendliche, ebenso für Schwangere, Mütter, Väter sowie alle an Familienbildung Interessierten. „Wir erreichen etwa 10 000 Teilnehmer pro Jahr“, sagt Geschäftsführerin Beate Bindereif-Mergel. „Das sind viele, aber nicht alle. Darum passen wir uns fortlaufend an das sich ändernde Familienbild an.“

Zum Beispiel durch Kurszeiten außerhalb klassischer Zeitfenster, die auch berufstätigen Eltern die Teilnahme ermöglichen sollen. Auch spielen im neuen Programm Alleinerziehende und Väter eine noch wichtigere Rolle als bislang schon. „Wir sind gespannt, wie der neue Kurs ‘Rangeln und Raufen für Männer’ angenommen wird“, sagt Bindereif-Mergel. Wobei immer mehr Papas auch die regulären Angebote besuchen würden. „Es ist lange schon nichts besonderes mehr, wenn ein Mann im Haus der Familie auftaucht.“

Bei Kaffee und Kuchen plaudern 

Ein weiterer Weg, alle Zielgruppen zu erreichen, sind die offenen Angebote. Ungezwungen bei Kaffee und Kuchen über Themen rund ums Baby und das Kleinkind plauschen, das ermöglicht das „Café am Dienstag“ von 15 bis 16.30 Uhr. Es gehört ebenso zu den Angeboten, die ohne Voranmeldung besucht werden können, wie ein Stilltreff am Montagvormittag, ein Mehrlingstreff jeden ersten Freitag im Monat, eine offene Hebammensprechstunde und die Indoor- und Außenspielplätze. „Wir wollen eine Plattform bieten, damit sich Gleichgesinnte treffen können, mit anderen Müttern und Vätern in Kontakt kommen und sich austauschen“, erklärt Bindereif-Mergel.

Das Haus der Familie mit vielen Beratungsangeboten 

Dem Anspruch, Eltern Erziehungswissen und -unterstützung anzubieten, um letztlich den Kindern beste Entwicklungschancen zu ermöglichen, wird das Haus der Familie auch durch ein wachsendes Beratungsangebot gerecht. „Es sind die klassischen Themen, weswegen Eltern anrufen: Das Baby schläft nicht durch, es isst nicht oder es schreit ständig. Da ist es gut, wenn Eltern Rat bekommen, bevor sie mit den Nerven am Ende sind. Denn auf den Anfang kommt es an“, sagt Bindereif-Mergel. Auch Gruppen und Einrichtungen können sich melden, um für einen Elternabend, Gesprächskreis oder ähnliche Veranstaltungen einen Referenten über das Haus der Familie einzuladen. „Wir haben die Kontakte“, sagt Mitarbeiterin Birgit Egner-Hoffmann.

Ebenfalls zu den Angeboten, für die man sich anmelden muss, gehören die gecoachten Gesprächskreise. Sie sollen Eltern den Austausch in der Gruppe ermöglichen, um die Sichtweisen anderer kennenzulernen und davon für die eigene Situation zu lernen. „Das ist ganz wichtig. Und schließlich betreffen Themen wie das Setzen von Grenzen oder der Umgang mit Konflikten alle“, sagt Bindereif-Mergel.

Mütter und Väter im Coaching 

Zu diesen Themen findet ab März, erstmals in Heilbronn, ein Coaching für Mütter und Väter mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren statt. Ins Bett bringen, gemeinsame Mahlzeiten, Umgang mit Regeln, Trotzphase – wer sich wünscht, trotz derartiger Herausforderungen seinen Alltag mit dem Nachwuchs friedlich zu gestalten, der ist hier richtig. „Wir suchen gemeinsam nach besseren Lösungen“, beschreibt Kursleiterin Silke Voellner das Ziel von „Starke Eltern – starke Kinder“.

Erweitert wird im neuen Semester auch das Angebot für Eltern hochsensibler Kinder. Von individuellen Gesprächsangeboten über den „Gesprächskreis für Einsteiger“ bis zum „Weitermacher-Gesprächskreis“ erfahren Eltern dabei im Austausch mit anderen und professionell begleitet, wie sie mit dem besonderen Wesenszug von Tochter oder Sohn umgehen können, damit das Kind seine Sensibilität als Gewinn erleben kann und nicht als Ursache von Angst und Verunsicherung.

Wie bei allen Angeboten gilt: Bei Interesse besser frühzeitig anmelden. Denn viele Kurse sind sehr nachgefragt.

Von unserem Redakteur Andreas Tschürtz


Semesterprogramm

Programmhefte gibt es unter anderem bei Apotheken, Frauen- und Kinderärzten, Rathäusern und Kindergärten, im Haus der Familie in der Fügerstraße sowie den Außenstellen in Abstatt, Lauffen, Neckarsulm, Weinsberg und Ellhofen oder online unter www.hdf-hn.de.