Abenteuer vor der Haustür

Bei der Abendwanderung des Schwäbischen Albvereins wurden leuchtende Waldgeister gebastelt. Am 17. November heißt es „Schnitzen wie Michel aus Lönneberga“. Am 15. Dezember ist Waldweihnacht.

Heilbronn liegt weder auf der Alb noch in Schwaben. Dennoch hat der Schwäbische Albverein hier eine lange Tradition. Im Jahr 1890 kamen die Gründer erstmals zusammen, um gemeinsam zu wandern und Geselligkeit im Grünen zu genießen. Aber nicht nur der Verein, sondern auch seine Mitglieder sind in die Jahre gekommen. „Heute sind wir überwiegend Rentner“, sagt Vorsitzende Regina Beul. Und das, obwohl Wandern so beliebt ist wie seit Jahrzehnten nicht. „Uns begegnen oft kleinere Gruppen, Paare mit Kindern. Das wäre eigentlich unsere Klientel“, sagt sie. Aber die findet nicht wie früher den Weg in den Verein. „Im städtischen Bereich ist das Alternativangebot einfach zu groß. Und Vereine haben es ohnehin schwer.“ Eine neue Familiengruppe soll das Ruder rumreißen. Nach dem Vorbild anderer Ortsgruppen im Landkreis und in Hohenlohe macht der Heilbronner Albverein ab sofort einmal im Monat Programm speziell für Eltern mit Kindergarten- und Grundschulkindern.

Beim Auftakt neulich geht es auf einer Abendwanderung vom Jägerhaus zur Waldheide. Dort werden Dosengeister gebastelt, die auf dem Rückweg als Laternen den Weg durch den finstren Wald leuchten. Für die vielen Kinder ein großes Abenteuer. Denn kaum eines hat schon erlebt, wie das Bunt des Tages seine Farben verliert, zu Grau verblasst und schließlich tiefes Schwarz Büsche und Bäume verschluckt. Und als die große Welt ringsum auf die Größe der Lichtkegel schrumpft, die die Dosengeister werfen, greift mancher Knirps ganz fest nach Mamas Hand. Aber Adelheid Antlauf, die den Abend leitet, nimmt die Angst vor dem Unbekannten. Sie lässt die Gruppe öfters pausieren. Lauschen. In das Leben der Nacht hineinhorchen. Und so wandelt sich Zurückhaltung in Neugier und Staunen.

70 Neugierige 

„Ich hätte nicht mit so viel Interesse gerechnet“, sagt Regina Beul. 35 Kinder wuseln um sie herum und ebenso viele Erwachsene – nahezu ein Drittel der Mitgliederzahl der Heilbronner Ortsgruppe. Fast scheint es, als hätten die Familien nur darauf gewartet, dass der Albverein sie mit einem solchen Angebot abholt. Zu den Neugierigen zählt Stefanie Plha. Sie sagt: „Ich komme ursprünglich von der Alb. Da sind der Sport- und der Albverein die Angebote im Ort, und da geht man hin. Aber für Kinder gab es hier bislang ja nichts.“ Fabian Schlumberger aus Heilbronn kann sich sehr gut vorstellen, öfter zu kommen. „Wald, Natur, draußen – das ist genau unser Ding.“

In ein bis zwei Jahren, wenn sich ein fester Kern von Teilnehmern gefunden hat, sollen die Familien selbst den monatlichen Programmpunkt auf die Beine stellen. Dass das auch Engagement und Verbindlichkeit erfordert, schreckt Schlumberger an diesem Abend nicht. „Ich kann mir das grundsätzlich schon vorstellen. Jetzt hat es aber ja erst begonnen.“

Wie es weitergeht 

In Löwenstein ist man schon weiter. Dort hat Adelheid Antlauf schon vor zweieinhalb Jahren eine Familiengruppe gegründet. Als Mitarbeiterin der Stuttgarter Hauptgeschäftsstelle unterstützt sie Ortsgruppen in Hohenlohe und dem Heilbronner Landkreis dabei, Familien für den Verein zu begeistern. Seit diesem Jahr plant die Löwensteiner Gruppe ihr Jahresprogramm selbst. „Wobei ich natürlich unterstütze, wenn das nötig ist, und als Ansprechpartnerin da bin.“

Die Heilbronnerin Simone Großmann ist schon länger in Löwenstein mit dabei. Es sei etwas anderes, als auf eigene Faust die Freizeit zu gestalten. „Ich lerne viele neue Ecken kennen. Und es ist ein schönes Miteinander mit anderen Familien. Die Kinder kennen sich oder lernen neue kennen. Das macht einfach Spaß.“

Dieses Fazit zieht auch mancher Knirps am Ende der Abendwanderung durch den Heilbronner Stadtwald. Fabian Schlumbergers dreijährige Tochter macht ihrem Vater jedenfalls klar: „Papa, ich möchte sowas nochmal erleben.“ Und als Adelheid Antlauf alle zur nächsten Aktion einlädt, ruft der achtjährige Ben: „Papa, melde mich sofort an!“

 
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Bastelspaß: Das Material für die Waldgeister kam von Adelheid Antlauf.

 
 
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Die Löwensteiner Familiengruppe hat unlängst Apfelsaft gepresst.

 
 
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Kinder können Stempel sammeln. Ist der Pass voll, gibt es ein Geschenk.